Themenliste: M - S
Über die Themenliste
Die EHB-Themenliste will Forscher, Interessierte, Di- plomstudenten und die Be- standsträger selbst auf lohnende Forschungsas- pekte verweisen. Die Liste reicht von der Beschäf- tigung mit einzelnen Au- toren und beschränkten Themenstellungen bis hin zu Epochenzusammenhängen.
›
Medizin
Irgendwelche medizinischen Werke [Kräuter-, Arzneibücher, antike medizinische Werke, Badebücher ...] finden sich in fast allen Sammlungen. Häufig sind es „Volksbücher“, bisweilen aber auch Fachwerke, wie der Thesaurus pauperum des Petrus Hispanus [Papst Johannes XXI.]. Außer den Volkswerken und den Werken antiker Autoren [Dioscurides, Celsus, Galenos, Soranos ...] sind in den tirolischen Landen vor allem Paracelsus und Guarinoni weit verbreitete medizinische Autoren und Vermittler. Kräuterkunden und Tiermedizinisches findet sich auch in illustrierter Form. Werke der Anatomie, der Chirurgie, der Zodiakusverbindungen u.a. lehnen sich häufig bereits an Experimente und „saubere“ Beobachtungen an. Manch andere dagegen ähneln noch alten Beschwörungsriten und magischen Praktiken.
›
Moral / Ethik
Moraltheologische Standardwerke in den Beständen
Die Moralwerke in den Beständen unterliegen keiner einheitlichen Ausrichtung. Systeme des Tutiorismus, des Rigoprismus, des Laxismus, des Prbabilismus u. a. weichen nicht nur in den Prinzipien, in der Zurechnung von Schwere und Schuld, in den Orientierungsfragen für Urteil und Verhalten, in den Ansetzungs- und Begründungsaussagen erheblich voneinander ab. Die Ausgangsbegründungen Göttliches Recht, Naturrecht, Gesellschaftsrecht, Gewissensrecht wirken in Kirchenrecht und Staatsrecht bis in die Gegenwart herein fort. Z. B. in den Aspekten Tathaftung oder Willenshaftung. Gratian, Petrus Lombardus, Petrus Comestor, Wilhelm von Auxerre. Wilhelm von Auvergne, Thomas von Aquin, Johannes Nider und andere Reflexionsautoren sind in den Beständen zahlreich vertreten. Über Kasuistik und Devotio moderna führen die Auseinandersetzungen herauf bis de Vicoria, F. Suárez, Luis de Molina. L. Lessius, Antoine, Tamburini, H. Busenbaum, B. Elbel, A. Reiffenstuel, Hunolt, Alfons von Liguori, P. Laymann , P. Gury, A. Stapf, J.M. Sailer u. a. Neben dem Predigtbestand nimmt der Fachbereich des Ethischen, der Moral, in Pfarrbeständen den größten Raum ein wegen seiner didaktischen und pädagogischen Rolle in der Volkserziehung. Nicht nur die Fallbeurteilung, auch die Beurteilungsprinzipien selbst sind ein spannendes Untersuchungsfeld für die Mentalitätsgeschichte. Und vor allem ein höchst aktueller Diskussionshintergrund für zeitbezogene Thematiken. Dabei führen die Wege bis in die ethischen Grundlagen des Judentums, der griechisch-römischen Antike und des vorchristlichen, z. B. germanischen Völkerrechts zurück Faktenableitungen stehen rationalen Ableitungen, Offenbarungsableitungen und voluntativen Modellen u. a, gegenüber und mischen sich mit solchen.
Der Wandel in den Tugenden- und Lasterkatalogen
In immer neuen Katalogen werden Tugend und Laster in der kirchlichen Morallehre neu definiert. Mit einem Rückgriff auf die Antike kommt es zur Formulierung von Grundtugenden und Grundlastern. Sokrates, Aristoteles, Plato, Cicero, Seneca u. a. antike Schriftsteller werden vor allem auch wegen ihrer Tugendlehre an den universitären Ausbildungsstätten gelesen und im humanistischen Schulunterricht interpretiert und abgehandelt. Von den frühchristlichen Schriftstellern [Apostellehre, Origenes, Boethius, Cassiodor, Gregor d. Große - Moralia in Job], herauf über Alanus ab Insulis , Petrus Lombardus, Durandus ... bis zum Konzil von Trient und darüber hinaus bis ins 20. Jh. herein ist die Bewertung dessen, was Tugend und Laster ist, zentral für das gesellschaftliche und individuelle Verhalten. Solchen Prägungen nachzugehen, bietet ein lohnendes Ziel und hilft Gegenwartslagen nach Stärken und Defiziten besser einzuordnen. Anhand der Beichtspiegel vom 5. bis zum 20. Jh. lassen sich die unterschiedlichsten Quellen für ethische Anschauungen abheben und bis in die Antike, ins Judentum, in „heidnische“ Volks- und Stammeseinflüsse zurückverfolgen. Epochemäßig können auch Sonderfragen herausgelöst werden, wie z.B. die Neuformulierung im ethischen Schrifttum der Jesuiten. Oder franziskanische Ethikansätze, Rückgriffe und Neuerungen. Oder die in den Pfarrbeständen eine Zeitlang dominierenden Ethikwerke von Hunolt oder eines Alfons von Liguori.
Die Beichte in ihrer religiösen und sozialen Bewusstseinsprägung
Die Menschen trugen jene Sünden zur Beichte, auf die hin sie über Generationen und Jahrhundert hindurch erzogen und in ihrem Gewissen gebildet worden sind. Die kirchliche Verhaltens- und Gewissenserziehung war die eigentliche gesellschaftliche Prägungsinstanz. Kirchenrechtliche und zivilrechtliche Gesetze verpflichteten Menschen zum Schuldbekenntis und zum Abschwören von öffentlichen und privaten Vergehen. Sozialgeschichtlich und individualgeschichtlich diente die häufige Beichte der Verhaltensorientierung, der inneren und äußern Fallklärung. Zivile und kirchliche Normen gleicherweise bilden den Inhalt der Gewissensprägung des Menschen.
Die Beichte reicht bis in die frühapostolische Zeit zurück. Sie ist die tiefste Form der gesellschaftlichen und individuellen Urteilsbildung, aber auch Urteilsbindung. Die Mitglieder der christlichen Gemeinde unterlagen bis in die Neuzeit herauf den
Beichtgeboten des IV. Laterankonzils [c. 21]. Es war ein Pflicht der sakralen Gewissens- und Fallbereinigung. Für den Umgang mit der Beichte, sowohl von Seiten des Priesters, als auch von Seiten des Beichtenden, gab es Normenbücher in den sog. Beichtmanualen [Confessionale].
Beichtinhalte, Bußformen, Gewissensreaktionen und Konflikte, die gesellschaftliche Rolle der Beichte und v. a. lässt sich aus den Beständen erschließen und gibt ein kultur- und mentalitätsgeschichtliches Bild. Die gesellschafts- und landesgeschichtliche Funktion der Beichtpastoral muss erst wieder erforscht und neu ins Bewusstsein gehoben werden.
Die Moralwerke in den Beständen unterliegen keiner einheitlichen Ausrichtung. Systeme des Tutiorismus, des Rigoprismus, des Laxismus, des Prbabilismus u. a. weichen nicht nur in den Prinzipien, in der Zurechnung von Schwere und Schuld, in den Orientierungsfragen für Urteil und Verhalten, in den Ansetzungs- und Begründungsaussagen erheblich voneinander ab. Die Ausgangsbegründungen Göttliches Recht, Naturrecht, Gesellschaftsrecht, Gewissensrecht wirken in Kirchenrecht und Staatsrecht bis in die Gegenwart herein fort. Z. B. in den Aspekten Tathaftung oder Willenshaftung. Gratian, Petrus Lombardus, Petrus Comestor, Wilhelm von Auxerre. Wilhelm von Auvergne, Thomas von Aquin, Johannes Nider und andere Reflexionsautoren sind in den Beständen zahlreich vertreten. Über Kasuistik und Devotio moderna führen die Auseinandersetzungen herauf bis de Vicoria, F. Suárez, Luis de Molina. L. Lessius, Antoine, Tamburini, H. Busenbaum, B. Elbel, A. Reiffenstuel, Hunolt, Alfons von Liguori, P. Laymann , P. Gury, A. Stapf, J.M. Sailer u. a. Neben dem Predigtbestand nimmt der Fachbereich des Ethischen, der Moral, in Pfarrbeständen den größten Raum ein wegen seiner didaktischen und pädagogischen Rolle in der Volkserziehung. Nicht nur die Fallbeurteilung, auch die Beurteilungsprinzipien selbst sind ein spannendes Untersuchungsfeld für die Mentalitätsgeschichte. Und vor allem ein höchst aktueller Diskussionshintergrund für zeitbezogene Thematiken. Dabei führen die Wege bis in die ethischen Grundlagen des Judentums, der griechisch-römischen Antike und des vorchristlichen, z. B. germanischen Völkerrechts zurück Faktenableitungen stehen rationalen Ableitungen, Offenbarungsableitungen und voluntativen Modellen u. a, gegenüber und mischen sich mit solchen.
Der Wandel in den Tugenden- und Lasterkatalogen
In immer neuen Katalogen werden Tugend und Laster in der kirchlichen Morallehre neu definiert. Mit einem Rückgriff auf die Antike kommt es zur Formulierung von Grundtugenden und Grundlastern. Sokrates, Aristoteles, Plato, Cicero, Seneca u. a. antike Schriftsteller werden vor allem auch wegen ihrer Tugendlehre an den universitären Ausbildungsstätten gelesen und im humanistischen Schulunterricht interpretiert und abgehandelt. Von den frühchristlichen Schriftstellern [Apostellehre, Origenes, Boethius, Cassiodor, Gregor d. Große - Moralia in Job], herauf über Alanus ab Insulis , Petrus Lombardus, Durandus ... bis zum Konzil von Trient und darüber hinaus bis ins 20. Jh. herein ist die Bewertung dessen, was Tugend und Laster ist, zentral für das gesellschaftliche und individuelle Verhalten. Solchen Prägungen nachzugehen, bietet ein lohnendes Ziel und hilft Gegenwartslagen nach Stärken und Defiziten besser einzuordnen. Anhand der Beichtspiegel vom 5. bis zum 20. Jh. lassen sich die unterschiedlichsten Quellen für ethische Anschauungen abheben und bis in die Antike, ins Judentum, in „heidnische“ Volks- und Stammeseinflüsse zurückverfolgen. Epochemäßig können auch Sonderfragen herausgelöst werden, wie z.B. die Neuformulierung im ethischen Schrifttum der Jesuiten. Oder franziskanische Ethikansätze, Rückgriffe und Neuerungen. Oder die in den Pfarrbeständen eine Zeitlang dominierenden Ethikwerke von Hunolt oder eines Alfons von Liguori.
Die Beichte in ihrer religiösen und sozialen Bewusstseinsprägung
Die Menschen trugen jene Sünden zur Beichte, auf die hin sie über Generationen und Jahrhundert hindurch erzogen und in ihrem Gewissen gebildet worden sind. Die kirchliche Verhaltens- und Gewissenserziehung war die eigentliche gesellschaftliche Prägungsinstanz. Kirchenrechtliche und zivilrechtliche Gesetze verpflichteten Menschen zum Schuldbekenntis und zum Abschwören von öffentlichen und privaten Vergehen. Sozialgeschichtlich und individualgeschichtlich diente die häufige Beichte der Verhaltensorientierung, der inneren und äußern Fallklärung. Zivile und kirchliche Normen gleicherweise bilden den Inhalt der Gewissensprägung des Menschen.
Die Beichte reicht bis in die frühapostolische Zeit zurück. Sie ist die tiefste Form der gesellschaftlichen und individuellen Urteilsbildung, aber auch Urteilsbindung. Die Mitglieder der christlichen Gemeinde unterlagen bis in die Neuzeit herauf den
Beichtgeboten des IV. Laterankonzils [c. 21]. Es war ein Pflicht der sakralen Gewissens- und Fallbereinigung. Für den Umgang mit der Beichte, sowohl von Seiten des Priesters, als auch von Seiten des Beichtenden, gab es Normenbücher in den sog. Beichtmanualen [Confessionale].
Beichtinhalte, Bußformen, Gewissensreaktionen und Konflikte, die gesellschaftliche Rolle der Beichte und v. a. lässt sich aus den Beständen erschließen und gibt ein kultur- und mentalitätsgeschichtliches Bild. Die gesellschafts- und landesgeschichtliche Funktion der Beichtpastoral muss erst wieder erforscht und neu ins Bewusstsein gehoben werden.
›
Naturwissenschaften
Das naturwissenschaftliche Schrifttum in den Beständen
Eines der kulturgeschichtlichen Vorurteile läuft darauf hinaus, Bestände in kirchlicher Trägerschaft fast ausschließlich nach religiösen und theologischen, allenfalls noch philosophischen und rechtlichen Gesichtspunkten abzufragen. Demgegenüber ist festzuhalten, dass bis zur Zeit des Buchdrucks auch das wissenschaftliche Buchgut beinahe zur Gänze in den Skriptorien der Mönche und von Mönchen abgeschrieben wurde. Auch in der Inkunabelzeit sind die meisten Manuskripte von kirchlichen Autoren und Vertretern in Druck gegeben worden. Ordenslehranstalten, Universitäten, die Bildungsstätten und die Wissensvermittlung ganz allgemein bleiben weiterhin in kirchlicher Trägerschaft. So sind z. B: im katholischen Bereich die Jesuiten auch klassische Autoren der Wissenschaftsbücher [Mathematik, Geschichte, Sprachen, Geometrie, Astronomie, naturkundliche Werke...].
Für die Bestandsaufbewahrung gilt allerdings, dass sich religiöse Werke weit besser erhalten haben als z. B. Schulwerke und Wissenschaftswerke. Mit dem Wechsel der Ausbildungsträgerschaften und der Ausbildungsverlagerungen haben traditionelle Trägerschaften und Programme an Gewicht und Interesse verloren. Nachfolgewerke haben die Vorwerke verdrängt und das profane Buchgut besitzt nicht denselben Erhaltungsdruck wie das sakrale. Typische Überbleibsel der profanen Wissensaufbewahrung sind Geschichtswerke, Rhetorikwerke, philosophische Textsammlungen, Unterrichtswerke der Biologie, der Zoologie, der Flora und Fauna, Mathematik – und Geometriebücher, Landkartenwerke und Lexika. Dem „Alltagsgebrauch“ dienen die Werke über Landwirtschaft, Viehzucht, Sternenkunde, Wetterkunde, Ökonomie...
Eines der kulturgeschichtlichen Vorurteile läuft darauf hinaus, Bestände in kirchlicher Trägerschaft fast ausschließlich nach religiösen und theologischen, allenfalls noch philosophischen und rechtlichen Gesichtspunkten abzufragen. Demgegenüber ist festzuhalten, dass bis zur Zeit des Buchdrucks auch das wissenschaftliche Buchgut beinahe zur Gänze in den Skriptorien der Mönche und von Mönchen abgeschrieben wurde. Auch in der Inkunabelzeit sind die meisten Manuskripte von kirchlichen Autoren und Vertretern in Druck gegeben worden. Ordenslehranstalten, Universitäten, die Bildungsstätten und die Wissensvermittlung ganz allgemein bleiben weiterhin in kirchlicher Trägerschaft. So sind z. B: im katholischen Bereich die Jesuiten auch klassische Autoren der Wissenschaftsbücher [Mathematik, Geschichte, Sprachen, Geometrie, Astronomie, naturkundliche Werke...].
Für die Bestandsaufbewahrung gilt allerdings, dass sich religiöse Werke weit besser erhalten haben als z. B. Schulwerke und Wissenschaftswerke. Mit dem Wechsel der Ausbildungsträgerschaften und der Ausbildungsverlagerungen haben traditionelle Trägerschaften und Programme an Gewicht und Interesse verloren. Nachfolgewerke haben die Vorwerke verdrängt und das profane Buchgut besitzt nicht denselben Erhaltungsdruck wie das sakrale. Typische Überbleibsel der profanen Wissensaufbewahrung sind Geschichtswerke, Rhetorikwerke, philosophische Textsammlungen, Unterrichtswerke der Biologie, der Zoologie, der Flora und Fauna, Mathematik – und Geometriebücher, Landkartenwerke und Lexika. Dem „Alltagsgebrauch“ dienen die Werke über Landwirtschaft, Viehzucht, Sternenkunde, Wetterkunde, Ökonomie...
›
Orden
Die Territorialbibliothek der älteren Orden und die neue Stadtbibliothek der Armutsorden
Orden bilden Netzwerke, in denen ordenseigene Ausrichtungen und ordenseigenes Schrifttum weitergegeben werden. Besitzorden unterscheiden sich einzelnen Interessen grundsätzlich von Armutsorden. Die Regelausrichtung, die weltlichen Aufgaben und Interessen, aber auch die pastorale Ausrichtung bestimmen die Auswahl des Schrifttums. Selbstverständlich nehmen ordenseigene Autoren und Autoritäten einen größeren Raum ein. Mittel der Anschaffung, Stadtsiedlung oder Siedlung in Territorialabteien [mit Landbesitz und Landarbeit], stabilitas loci [lebenslange Klostergebundenheit], Versetzbarkeit, Rollen der Fortbildung und der Studien u. a. spezifische Aspekte lassen sich voneinander abheben und deren Wehe in Kultur und Wirkgeschichte verfolgen.
Orden bilden Netzwerke, in denen ordenseigene Ausrichtungen und ordenseigenes Schrifttum weitergegeben werden. Besitzorden unterscheiden sich einzelnen Interessen grundsätzlich von Armutsorden. Die Regelausrichtung, die weltlichen Aufgaben und Interessen, aber auch die pastorale Ausrichtung bestimmen die Auswahl des Schrifttums. Selbstverständlich nehmen ordenseigene Autoren und Autoritäten einen größeren Raum ein. Mittel der Anschaffung, Stadtsiedlung oder Siedlung in Territorialabteien [mit Landbesitz und Landarbeit], stabilitas loci [lebenslange Klostergebundenheit], Versetzbarkeit, Rollen der Fortbildung und der Studien u. a. spezifische Aspekte lassen sich voneinander abheben und deren Wehe in Kultur und Wirkgeschichte verfolgen.
›
Pfarrbestände
Die pastorale Dimension in der Pfarr- und Zivilgemeinschaft
Über Jahrhunderte hinweg herrscht ein Interdependenzsystem zwischen Zivilgemeinschaft und Pfarrgemeinschaft. In zahlreichen Abläufen wird das gesamte Leben von religiösen und kirchlichen Momenten durchdrungen und begleitet. Die religiösen und zivilen Durchschichtungen und Überschichtungen lassen sich anhand von Beständen gut herausarbeiten. Und wirken, in der Forschung nicht ausreichend erkannt, bis in unsere Gegenwart herein nach und beleben sich in jüngster Zeit neu.
Pfarrbestände im Zusammenhang mit der klösterlichen Bibliotheksanlage
Im Modell geht die Anlage von Pfarrbeständen auf die Bestandsanlage der klösterlichen Gemeinschaft zurück. Von dort werden vielfach die Bestandsvorbilder genommen, von dort werden die Signaturanlagen übernommen. Der Unterschied liegt zumeist in einer reduktiven Kopie der reicheren Konventssignaturen und Bereiche. Signaturbestand und Bestandsanlegung sind auf pfarrpastorale Schwerpunkte und Lokalbedürfnisse entsprechend zugeschnitten.
Pfarrbestände in Tirol von ihrem frühesten Nachweis bis hin zur pfarrherrlichen Normenbibliothek
Bereits im 13. Jh. sind Pfarrbestände im Lande nachweisbar. Ein beachtlicher Teil des Pfründenklerus hat an universitären Studienorten von Wien bis Paris oder Rom studiert und ist von dort mit Beständen und Leitautoren vertraut geworden. Für andere steht die Adelszugehörigkeit am Ursprung von Sammlungen. Wieder andere, wie z.B. die Ruraldekane sind von Amts wegen auf einen bestimmten Grundbestand verpflichtet, den sie für die Leitung ihres dekanalen Gebietssprengels benötigen. Erhalten sind zwar immer noch bedeutende Sammelexempel und Exemplare. Schwieriger ist es, die Wege der Sammlungen dokumentarisch nachzuzeichnen. Lokalgeschichttliche Untersuchungsansätze bietet vom 13. bis ins 16. Jh. Alois Trenkwalder in seinem doppelbändigen Werk zum Seelsorgeklerus der Diözese Brixen [Verlag Weger, Brixen].
Die soziale und bildungsmäßige Herkunft des Seelsorgeklerus in der Diözese Brixen vom 13. bis zum 18. Jh.
Alois Trenkwalder hat wertvolle Vorarbeit für den spätmittelalterlichen Klerus der Diözese Brixen geleistet. Anhand erhaltener Bestände lassen sich weitere Informationen und Aufschlüsse darüber hinaus gewinnen. Mentalitätsgeschichtlich ergeben sich Aussagen über die Netzwerke selbst und über die religiöse, pastorale und zivile Prägung des Volkes durch den Seelsorgeklerus.
Über Jahrhunderte hinweg herrscht ein Interdependenzsystem zwischen Zivilgemeinschaft und Pfarrgemeinschaft. In zahlreichen Abläufen wird das gesamte Leben von religiösen und kirchlichen Momenten durchdrungen und begleitet. Die religiösen und zivilen Durchschichtungen und Überschichtungen lassen sich anhand von Beständen gut herausarbeiten. Und wirken, in der Forschung nicht ausreichend erkannt, bis in unsere Gegenwart herein nach und beleben sich in jüngster Zeit neu.
Pfarrbestände im Zusammenhang mit der klösterlichen Bibliotheksanlage
Im Modell geht die Anlage von Pfarrbeständen auf die Bestandsanlage der klösterlichen Gemeinschaft zurück. Von dort werden vielfach die Bestandsvorbilder genommen, von dort werden die Signaturanlagen übernommen. Der Unterschied liegt zumeist in einer reduktiven Kopie der reicheren Konventssignaturen und Bereiche. Signaturbestand und Bestandsanlegung sind auf pfarrpastorale Schwerpunkte und Lokalbedürfnisse entsprechend zugeschnitten.
Pfarrbestände in Tirol von ihrem frühesten Nachweis bis hin zur pfarrherrlichen Normenbibliothek
Bereits im 13. Jh. sind Pfarrbestände im Lande nachweisbar. Ein beachtlicher Teil des Pfründenklerus hat an universitären Studienorten von Wien bis Paris oder Rom studiert und ist von dort mit Beständen und Leitautoren vertraut geworden. Für andere steht die Adelszugehörigkeit am Ursprung von Sammlungen. Wieder andere, wie z.B. die Ruraldekane sind von Amts wegen auf einen bestimmten Grundbestand verpflichtet, den sie für die Leitung ihres dekanalen Gebietssprengels benötigen. Erhalten sind zwar immer noch bedeutende Sammelexempel und Exemplare. Schwieriger ist es, die Wege der Sammlungen dokumentarisch nachzuzeichnen. Lokalgeschichttliche Untersuchungsansätze bietet vom 13. bis ins 16. Jh. Alois Trenkwalder in seinem doppelbändigen Werk zum Seelsorgeklerus der Diözese Brixen [Verlag Weger, Brixen].
Die soziale und bildungsmäßige Herkunft des Seelsorgeklerus in der Diözese Brixen vom 13. bis zum 18. Jh.
Alois Trenkwalder hat wertvolle Vorarbeit für den spätmittelalterlichen Klerus der Diözese Brixen geleistet. Anhand erhaltener Bestände lassen sich weitere Informationen und Aufschlüsse darüber hinaus gewinnen. Mentalitätsgeschichtlich ergeben sich Aussagen über die Netzwerke selbst und über die religiöse, pastorale und zivile Prägung des Volkes durch den Seelsorgeklerus.
›
Predigt
Das sechste Zeitalter ist ein Zeitalter der Predigt
Als Verkündigungsform lebt die Predigt bis in unsere Tage herein weiter. In zweitausendjähriger Entfaltung und Prägung hat sie daran gewirkt, vorchristliche Kultur in christliche Kultur umzuformen. Alle Bereiche wurden davon betroffen. Unter ganz unterschiedlichen Aspekten kann diesen Wandlungsprozessen nachgegangen werden. Literargeschichtlich als auch mentalitätsgeschichtlich fehlt es noch an ausreichenden Wertungen und Auswertungen dieses pastoralen Instruments.
Predigttheorien und Predigtmuster
Die Verkündigung der christlichen Botschaft war keinem willkürlichen Spiel unterworfen. Von Anfang an bilden sich voneinander abweichende Leitstile heraus. Von der antiken Rhetorik her kommt es zu Vormustern. Judentum, römische Kontexte rücken die Predigt in das Zentrum von Auseinandersetzungen, Lehre und Beispielbildung. Verschiedene Inhalte und Ziele verlangen nach jeweils angemessenen Aussagemodi und Darstellungsformen. Aus dem in Überfülle verfügbaren Bestandsmaterial müssen spezifische Autoren, Stilformen, Themenschwerpunkte, Vergleichsdurchgänge, Epochenkriterien u.a. ausgewählt werden.
Gedankliche und sprachliche Umsetzungen lateinischer Predigt- und Normenwerke in volkssprachliche Darstellung und Rede
Normen- und Vorbildwerke der Ostkirche waren in griechischer, solche der Westkirche in lateinischer Sprache verfasst [Sakralsprachen]. Inhalte und Formen ins Volkssprachliche herüber zu transportieren, bedeutete nicht nur einen inhaltlich-begrifflichen Gewaltmarsch in die sog. heidnisch-barbarischen Kulturen hinein. Der Übergang ist ebenso ein linguistischer Vorgang von höchstem Einsatz und großer Tragweite. Von der Anlage von Glossaren reicht die Umsetzung über das Studium antiker Rhetorik und Begriffsrepertoire über die Kenntnis weltlicher, kirchlicher und volksprachlicher Vorwerke in die Bildungsgeschichte unseres Landes herein.
Erzählelemente der Volkspredigt in der darstellenden Kunst, in Brauchtum und Vorstellung
Aus Legenden und Darstellungen der sakralen Kunst sind Elemente in die Predigt hinübergewandert, und umgekehrt sind Elemente der Predigt in die darstellende Kunst übernommen worden. Oder zu Elementen des Brauchtums und der Vorstellungen geworden. Lange geht die Legenda aurea des Jacobus de Voragine mit ihrer Bildlichkeit neben dem Predigtwerk des Nikolaus von Lyra sowohl im sprachlichen wie im bildlichen Repertoire einher. Die Nachwirkungen dieser beiden Autoren sind zu verfolgen im Bildrepertoire an den Kirchenwänden genauso wie in der Predigt und sind zu Volkvorstellungen geworden hinsichtlich Vorbildlichkeit, Vollkommenheit, Frömmigkeitsvorstellungen.
Die Predigt im literarischen und gesellschaftlichen Wandel
Sprachlich ist die Predigt rückbezogen auf literarische und inhaltliche Strömungen. Gesellschaftlich nimmt sie Bezug auf anerkannte Autoritäten, aber auch auf aktuelle Zeitbezüge, lokaltypische und überlokale Bedürfnisse. Nicht nur die Botschaften der Evangelien werden übermittelt. Auch deren ethischen Darstellungen und Überlieferungen in der individuellen und gesellschaftlichen Praxis werden zum beständigen Inhalt. Mündlich wie schriftlich stellt das Predigtamt den größten literarischen und mentalitätsprägenden Strom durch die Jahrhunderte hindurch dar. Einige Leitwerke sind über Jahrhunderte hindurch immer wieder nachgedruckt worden und sind zu Führungswerken in der Ausbildung des Klerus geworden, der an Sonn- und Feiertagen sich auf deren Kommentare, Erklärungen und Anwendungen stützt.
Mentalitätsprägungen durch die Predigt
Die Pflicht des sonn- und festtäglichen Predigtbesuchs war eine der kirchlichen und der zivilen Verpflichtungen. In ihr wurden die Menschen in ihren alltäglichen und nichtalltäglichen Kontexten erfasst. Das liturgische Jahr mit seinen Texten und mit seinen Predigten darüber war das Lesebuch der städtischen genauso wie der ländlichen Bevölkerung. Es war das Einheitsbuch, der gemeinsame Grundkodex der unterschiedlichen Stände und Interessen. Das Textkorpus der sonn- und feststäglichen Perikopen wurde zur Quelle für volkstümliche Redewendungen und Merksätzen, prägte im Jahreszyklus die Vorstellungen und Leitlinien für Recht und Gerechtigkeit, Tugend und Laster, individuelle und gemeinschaftliche Orientierung. In ihrer Vielseitigkeit und Vielgestaltigkeit , in Wirkung und Funktion gibt es keine literarische Gattung, die ihr an Bedeutsamkeit gleichkäme.
Die Predigtkreise
Die Dynastie der Prediger und deren Zuhörerschaften organisieren sich in Gruppen. Die Dynamik der Prediger- und deren Zuhörersprachen richtet sich danach ein. Bürger, Landbevölkerung, Stände, Gebildete und Ungebildete, Angehörige des Ordensstandes und der kirchlichen Verwaltungen, Bruderschaften, Kinder, Kranke und Arme, Normengemeinschaften und Gemeinschaften außerhalb der Norm – zur Sprache gebracht wurden alle und viele Predigten lesen sich als klassische Fallstudien, Fallanalysen zu Gruppen und Fragekomplexenen. Auch die Prediger selbst gehören Kreisen und Gruppen an, z. B. Orden mit unterschiedlichen Ausrichtungen, Adelskreisen, dem „einfachen Volk“ oder sind Bürgerliche. Darüber hinaus gibt es viele spezifische Zugehörigkeiten zu Strömungsgruppen, Amts- und Funktionsgruppen, zu Bildungsgruppen unterschiedlicher Art, Vertreter von Lehranschauungen. Es gibt die Gruppe der bischöflichen Prediger, der Volksmissionare, der Sonn- und Feiertagsprediger u. v. a. Die sprachliche Vermittlung und die inhaltliche Ausrichtung der Predigt werden davon mitbestimmt. Entsprechend gelesen ergeben sich Profile des Ansprechens und solche der angezielten Zuhörerschaften.
Reformatorische und katholische Kontroverspredigt
Kontrovers bedeutet, dass die katholische und reformierte Kirchen zahlreiche Themen aus unterschiedlichen Gesichtspunkten wahrnahmen und in vielem voneinander abweichende Standpunkte vertraten. Darin wurden ihre typischen konfessionellen Akzente gesetzt. Oft auf Jahrhunderte hinaus.
Die Kontroverspredigt war von Wahrheitsnachweisen für eigene Standpunkte und von Irrtumsaufweisen für „gegnerische“ Standpunkte bestimmt. Das Instrument der Kontroverse diente der Festigung des Eigenen und der eigenen Kirchengemeinschaft. In den Beständen von EHB finden sich wertvolle Zeugnisse dieser Auseinanderentwicklungen.
Die inhaltliche und stilistische Dramaturgie in der Kapuzinerpredigt vom 16. bis zum 19. Jh.
Man könnte kultur- und mentalitätsgeschichtlich von vielen Dramaturgien sprechen, z.B. von einer Barockdramaturgie der Jesuitenpredigt im 17. und 18. Jh. Von einer Kontroversdramaturgie z. B. im 16. und 17. Jh.
Die Kapuziner verfügen in der Regel und im Gegensatz zur aufklärerischen Propaganda und abgesehen von fanatischen Vorzeigefällen über eine gute und sehr sorgfältige theologische und philosophische Ausbildung. Trotzdem bleibt ihre Aufmerksamkeit auf einen einfachen, schlichten, klaren und eindringlichen Vermittlungsstil für die jeweilige Zuhörerschaft bedacht. Die Dramaturgie der Predigt (aber auch der Volksandacht) wird von Steigerung, eingängiger Wortwahl und vor allem von Bildlichkeit bestimmt. Die Beispiele dienen der dramatischen Steigerung und Erläuterung des Gesagten. Wenn der Sprecher auf der Kanzel auch ein Einzelner war, so war der Wechsel der Einwände nnd Antworten, der zur Sprache gebrachten Personen und Partein, der Heiligen und der Dämonen ein kunstvoll durchgeführtes Darstellungsspiel. Und letztlich in vielem eine ebenso dramatische Kennzeichnung der Volksbedürfnisse, der Situationen, Nöte und des Machbaren seitens der angesprochenen Menschen.
Die tirolische Predigt der Kapuziner zwischen Aufklärung, Säkularisation und patriotischem Auftrag im Dienste der Monarchie
Von der Aufklärung in die Defensive gedrängt, von der Aufhebung und von Misskreditierung bedroht, wandten sich zahlreiche Prediger gegen die Prärogativen der Aufklärung. Eine markante Wendung tritt unvermittelt mit den Auseinandersetzungen zwischen Habsburg und dem nachrevolutionären Frankreich ein. Um seine militärischen Aushebungen durchführen zu können und um das Volk für Krieg und Patriotismus zu begeistern, bedurfte das Kaisertum der aufreizenden Predigt, die das Volk wieder hinter seinen Monarchen scharte. In besonderer Weise haben auch tirolische Kapuziner sich dieser Aufgabe gewidmet und übten in ihrer Predigt einen nachdrücklichen Einfluss auf die Ereignisse der Zeit aus. Auch wenn der politische und patriotische Predigteinsatz à la Schiller und Wallenstein Teilen des Gesamtordens auch missfiel. Materialien befinden sich nicht nur Ordensbeständen, sondern z. B. auch in den Meraner Museumsbeständen.
Als Verkündigungsform lebt die Predigt bis in unsere Tage herein weiter. In zweitausendjähriger Entfaltung und Prägung hat sie daran gewirkt, vorchristliche Kultur in christliche Kultur umzuformen. Alle Bereiche wurden davon betroffen. Unter ganz unterschiedlichen Aspekten kann diesen Wandlungsprozessen nachgegangen werden. Literargeschichtlich als auch mentalitätsgeschichtlich fehlt es noch an ausreichenden Wertungen und Auswertungen dieses pastoralen Instruments.
Predigttheorien und Predigtmuster
Die Verkündigung der christlichen Botschaft war keinem willkürlichen Spiel unterworfen. Von Anfang an bilden sich voneinander abweichende Leitstile heraus. Von der antiken Rhetorik her kommt es zu Vormustern. Judentum, römische Kontexte rücken die Predigt in das Zentrum von Auseinandersetzungen, Lehre und Beispielbildung. Verschiedene Inhalte und Ziele verlangen nach jeweils angemessenen Aussagemodi und Darstellungsformen. Aus dem in Überfülle verfügbaren Bestandsmaterial müssen spezifische Autoren, Stilformen, Themenschwerpunkte, Vergleichsdurchgänge, Epochenkriterien u.a. ausgewählt werden.
Gedankliche und sprachliche Umsetzungen lateinischer Predigt- und Normenwerke in volkssprachliche Darstellung und Rede
Normen- und Vorbildwerke der Ostkirche waren in griechischer, solche der Westkirche in lateinischer Sprache verfasst [Sakralsprachen]. Inhalte und Formen ins Volkssprachliche herüber zu transportieren, bedeutete nicht nur einen inhaltlich-begrifflichen Gewaltmarsch in die sog. heidnisch-barbarischen Kulturen hinein. Der Übergang ist ebenso ein linguistischer Vorgang von höchstem Einsatz und großer Tragweite. Von der Anlage von Glossaren reicht die Umsetzung über das Studium antiker Rhetorik und Begriffsrepertoire über die Kenntnis weltlicher, kirchlicher und volksprachlicher Vorwerke in die Bildungsgeschichte unseres Landes herein.
Erzählelemente der Volkspredigt in der darstellenden Kunst, in Brauchtum und Vorstellung
Aus Legenden und Darstellungen der sakralen Kunst sind Elemente in die Predigt hinübergewandert, und umgekehrt sind Elemente der Predigt in die darstellende Kunst übernommen worden. Oder zu Elementen des Brauchtums und der Vorstellungen geworden. Lange geht die Legenda aurea des Jacobus de Voragine mit ihrer Bildlichkeit neben dem Predigtwerk des Nikolaus von Lyra sowohl im sprachlichen wie im bildlichen Repertoire einher. Die Nachwirkungen dieser beiden Autoren sind zu verfolgen im Bildrepertoire an den Kirchenwänden genauso wie in der Predigt und sind zu Volkvorstellungen geworden hinsichtlich Vorbildlichkeit, Vollkommenheit, Frömmigkeitsvorstellungen.
Die Predigt im literarischen und gesellschaftlichen Wandel
Sprachlich ist die Predigt rückbezogen auf literarische und inhaltliche Strömungen. Gesellschaftlich nimmt sie Bezug auf anerkannte Autoritäten, aber auch auf aktuelle Zeitbezüge, lokaltypische und überlokale Bedürfnisse. Nicht nur die Botschaften der Evangelien werden übermittelt. Auch deren ethischen Darstellungen und Überlieferungen in der individuellen und gesellschaftlichen Praxis werden zum beständigen Inhalt. Mündlich wie schriftlich stellt das Predigtamt den größten literarischen und mentalitätsprägenden Strom durch die Jahrhunderte hindurch dar. Einige Leitwerke sind über Jahrhunderte hindurch immer wieder nachgedruckt worden und sind zu Führungswerken in der Ausbildung des Klerus geworden, der an Sonn- und Feiertagen sich auf deren Kommentare, Erklärungen und Anwendungen stützt.
Mentalitätsprägungen durch die Predigt
Die Pflicht des sonn- und festtäglichen Predigtbesuchs war eine der kirchlichen und der zivilen Verpflichtungen. In ihr wurden die Menschen in ihren alltäglichen und nichtalltäglichen Kontexten erfasst. Das liturgische Jahr mit seinen Texten und mit seinen Predigten darüber war das Lesebuch der städtischen genauso wie der ländlichen Bevölkerung. Es war das Einheitsbuch, der gemeinsame Grundkodex der unterschiedlichen Stände und Interessen. Das Textkorpus der sonn- und feststäglichen Perikopen wurde zur Quelle für volkstümliche Redewendungen und Merksätzen, prägte im Jahreszyklus die Vorstellungen und Leitlinien für Recht und Gerechtigkeit, Tugend und Laster, individuelle und gemeinschaftliche Orientierung. In ihrer Vielseitigkeit und Vielgestaltigkeit , in Wirkung und Funktion gibt es keine literarische Gattung, die ihr an Bedeutsamkeit gleichkäme.
Die Predigtkreise
Die Dynastie der Prediger und deren Zuhörerschaften organisieren sich in Gruppen. Die Dynamik der Prediger- und deren Zuhörersprachen richtet sich danach ein. Bürger, Landbevölkerung, Stände, Gebildete und Ungebildete, Angehörige des Ordensstandes und der kirchlichen Verwaltungen, Bruderschaften, Kinder, Kranke und Arme, Normengemeinschaften und Gemeinschaften außerhalb der Norm – zur Sprache gebracht wurden alle und viele Predigten lesen sich als klassische Fallstudien, Fallanalysen zu Gruppen und Fragekomplexenen. Auch die Prediger selbst gehören Kreisen und Gruppen an, z. B. Orden mit unterschiedlichen Ausrichtungen, Adelskreisen, dem „einfachen Volk“ oder sind Bürgerliche. Darüber hinaus gibt es viele spezifische Zugehörigkeiten zu Strömungsgruppen, Amts- und Funktionsgruppen, zu Bildungsgruppen unterschiedlicher Art, Vertreter von Lehranschauungen. Es gibt die Gruppe der bischöflichen Prediger, der Volksmissionare, der Sonn- und Feiertagsprediger u. v. a. Die sprachliche Vermittlung und die inhaltliche Ausrichtung der Predigt werden davon mitbestimmt. Entsprechend gelesen ergeben sich Profile des Ansprechens und solche der angezielten Zuhörerschaften.
Reformatorische und katholische Kontroverspredigt
Kontrovers bedeutet, dass die katholische und reformierte Kirchen zahlreiche Themen aus unterschiedlichen Gesichtspunkten wahrnahmen und in vielem voneinander abweichende Standpunkte vertraten. Darin wurden ihre typischen konfessionellen Akzente gesetzt. Oft auf Jahrhunderte hinaus.
Die Kontroverspredigt war von Wahrheitsnachweisen für eigene Standpunkte und von Irrtumsaufweisen für „gegnerische“ Standpunkte bestimmt. Das Instrument der Kontroverse diente der Festigung des Eigenen und der eigenen Kirchengemeinschaft. In den Beständen von EHB finden sich wertvolle Zeugnisse dieser Auseinanderentwicklungen.
Die inhaltliche und stilistische Dramaturgie in der Kapuzinerpredigt vom 16. bis zum 19. Jh.
Man könnte kultur- und mentalitätsgeschichtlich von vielen Dramaturgien sprechen, z.B. von einer Barockdramaturgie der Jesuitenpredigt im 17. und 18. Jh. Von einer Kontroversdramaturgie z. B. im 16. und 17. Jh.
Die Kapuziner verfügen in der Regel und im Gegensatz zur aufklärerischen Propaganda und abgesehen von fanatischen Vorzeigefällen über eine gute und sehr sorgfältige theologische und philosophische Ausbildung. Trotzdem bleibt ihre Aufmerksamkeit auf einen einfachen, schlichten, klaren und eindringlichen Vermittlungsstil für die jeweilige Zuhörerschaft bedacht. Die Dramaturgie der Predigt (aber auch der Volksandacht) wird von Steigerung, eingängiger Wortwahl und vor allem von Bildlichkeit bestimmt. Die Beispiele dienen der dramatischen Steigerung und Erläuterung des Gesagten. Wenn der Sprecher auf der Kanzel auch ein Einzelner war, so war der Wechsel der Einwände nnd Antworten, der zur Sprache gebrachten Personen und Partein, der Heiligen und der Dämonen ein kunstvoll durchgeführtes Darstellungsspiel. Und letztlich in vielem eine ebenso dramatische Kennzeichnung der Volksbedürfnisse, der Situationen, Nöte und des Machbaren seitens der angesprochenen Menschen.
Die tirolische Predigt der Kapuziner zwischen Aufklärung, Säkularisation und patriotischem Auftrag im Dienste der Monarchie
Von der Aufklärung in die Defensive gedrängt, von der Aufhebung und von Misskreditierung bedroht, wandten sich zahlreiche Prediger gegen die Prärogativen der Aufklärung. Eine markante Wendung tritt unvermittelt mit den Auseinandersetzungen zwischen Habsburg und dem nachrevolutionären Frankreich ein. Um seine militärischen Aushebungen durchführen zu können und um das Volk für Krieg und Patriotismus zu begeistern, bedurfte das Kaisertum der aufreizenden Predigt, die das Volk wieder hinter seinen Monarchen scharte. In besonderer Weise haben auch tirolische Kapuziner sich dieser Aufgabe gewidmet und übten in ihrer Predigt einen nachdrücklichen Einfluss auf die Ereignisse der Zeit aus. Auch wenn der politische und patriotische Predigteinsatz à la Schiller und Wallenstein Teilen des Gesamtordens auch missfiel. Materialien befinden sich nicht nur Ordensbeständen, sondern z. B. auch in den Meraner Museumsbeständen.
›
Profan und Sakral
Das Verhältnis von Profan und Sakral in den Beständen
Parallel zu der zivilen Macht und Verwaltung entfaltet sich die kirchliche und religiöse Verwaltung und Durchdringung aller Bereiche. Dies schafft für lange Zeit eine kirchliche bzw. christliche Einheitskultur. Wenn auch Bibliothekskataloge und Signaturen in einzelnen Bereichen Profan und Sakral, Profan und Kirchlich unterscheiden [Jus civile/Jus profanum – Jus ecclesiae/Jus divinum; Historia profana – Historia ecclesiastica/Historia sacra, Scientiae humanae/Scientiae naturales – Scientia divina], so bleiben profane Gegenstände und Bereiche in unserem Sinn [Landwirtschaft, Handel, Medizin, Naturbeschreibungen, Bauwesen...] selbstverständlich weiterhin kirchlichen Sammlungen und Interpretationen unterworfen. „Profane“ und „sakrale“ Werke“ stammen häufig von denselben Angehörigen kirchlicher Lehrstellen, kirchlicher Orden und Autoren. Erst allmählich entwickeln sich „Sakral“ und „Profan“ zu voneinander schärfer getrennten, eigenen Interpretationswelten auseinander.
Parallel zu der zivilen Macht und Verwaltung entfaltet sich die kirchliche und religiöse Verwaltung und Durchdringung aller Bereiche. Dies schafft für lange Zeit eine kirchliche bzw. christliche Einheitskultur. Wenn auch Bibliothekskataloge und Signaturen in einzelnen Bereichen Profan und Sakral, Profan und Kirchlich unterscheiden [Jus civile/Jus profanum – Jus ecclesiae/Jus divinum; Historia profana – Historia ecclesiastica/Historia sacra, Scientiae humanae/Scientiae naturales – Scientia divina], so bleiben profane Gegenstände und Bereiche in unserem Sinn [Landwirtschaft, Handel, Medizin, Naturbeschreibungen, Bauwesen...] selbstverständlich weiterhin kirchlichen Sammlungen und Interpretationen unterworfen. „Profane“ und „sakrale“ Werke“ stammen häufig von denselben Angehörigen kirchlicher Lehrstellen, kirchlicher Orden und Autoren. Erst allmählich entwickeln sich „Sakral“ und „Profan“ zu voneinander schärfer getrennten, eigenen Interpretationswelten auseinander.
›
Recht
Rechtswerke – Sentenzenkommentare – spezifische Rechtssammlungen
Zivile und religiöse bzw. kirchliche Rechtswerke finden sich in großer Dichte in allen Beständen. Vor allem sind die Sentenzenkommentare in den juridischen Regelungen zugleich zu Grundwerken des ethischen und gesellschaftlichen Verhaltens geworden. Angeschlossen wird in den Argumentationen an Vorwerke, theologische und philosophische Lehrhintergründe, an antike Rechtserbschaften, an die Schriften des NT und des AT, an sanktionierte Traditionsautoren, Brauchtum, kirchliche und zivilrechtliche Erlässe und Verordnungen. Alle großen Autoren des späten Mittelalters haben an den Hochschulen Sentenzenwerke gelesen und kommentiert. Im 16. und 17. Jh. wandeln sich die Rechtswerke und ein Großteil ihrer Fragen wandert in zivilrechtliche Werke und anderes wieder in Moralwerke ab. Im Prinzip erfolgt eine allmähliche Herauslösung aus dogmatischen Hintergründen und Begründungen.
Naturrecht und römisches Recht
Auf vielfache Weise spiegeln die historischen Landesbestände das gegenseitige Durchdringen und gleicherweise das Auseinanderdriften nationaler und rom-kirchlicher Interessen. Je nach Hintergrundkonflikten oder Bündnissen scharen sich Autorengruppen um die eine oder andere Position. Es gibt die Verfechter päpstlicher Rechtsprimate und der Rechtszuschnitte auf die päpstliche Hierarchie zu, Verfechter des Konziliarismus, Vertreter dynastischer und pränationaler Vorrechte und nationalpolitischer und nationalkultureller Bündnispräferenzen.
Das Römisch-deutsche Kaisertum , die englischen, spanischen, französischen Monarchien verfahren in ihren Rechtsansprüchen und in ihrer Rechtssicherheit auf unterschiedliche Weise. Rechtsfragen und Rechtstheorien sind von Anfang an von solcher Bedeutung, dass das Rechtswesen eine eigene, vierte Fakultät bekommt. Wie im Fall der Evangelien lassen sich Begriffs- und Geltungskonkordanzen erstellen. Z.B. um kirchliche Rechtsbestimmungen mit zivilrechtlichen Bestimmungen zu einer bestimmten Epoche oder von bestimmten Leitwerken zu vergleichen. Die Vergleiche ergeben Abhängigkeiten, Gemeinsamkeiten, Abweichungen formaler und inhaltlicher Art, Hintergrundgemeinsamkeiten und Hintergrundkonflikte. Denn immer ist Rechtssetzung ein Setzen von Ansprüchen.
Zivile und kirchliche Rechtskriterien
Zivile Rechtskriterien fußen weithin auf Erbrecht, dynastischen Überlegungen, Rückgriffen auf kaiserliche und römische Rechtsquellen [Konstantin, Theodosius ...], auf rechtsphilosophischen Überlegungen der griechischen Antike. Die Rechtsargumentation fußt auf pragmatischen Sach-Überlegungen. Kirchliches Recht ist in erster Linie auf antike, philosophische und theologische Ableitungen gegründet. Beiden Rechtsformen eignen je eigene Begründungsmodelle. Ältere kirchliche Rechtsformen zielen zugleich darauf ab, bibelethisch, bibeltheologisch zu verankern. Zunächst werden diese Begründungen in die theologischen Summen und n die Sentenzenkommentare einbezogen, gewinnen aber später als Moralwerke und in Moraltraktaten ein eigenes Fachprofil.
Konzepte der Gerechtigkeit in der Moraltheologie vom 15. – 19. Jh. [justitia commutative, justitia aequativa, justitia distributiva]
Aus der Antike [Beispiel: Nikomachische Ethik] abgeleitet, werden griechische und römische Rechtsauffassungen in die abendländischen Rechtsauffassungen übernommen. Eine der wesentlichen Grundfragen bleibt, das Verhältnis des Einzelrechts in Abstimmung mit den Rechten der Gemeinschaft [Gemeinwohl] zu bringen. Göttliche, naturrechtliche, zivile, kirchliche Rechts- und Gerechtigkeitstheorien kommen in zahlreichen Bestandstraktaten zur Sprache. Als einer der vier Kardinaltugenden nehmen Tugend- und Gerechtigkeitsparadigmen in den Studien der Moraltheologie und der Schriftauslegung breiten Raum ein. Im Verhalten der christlichen Gemeinde werden Forderungen des Gerechten und der Gerechtigkeit in die Praxis überführt.
Zivile und religiöse bzw. kirchliche Rechtswerke finden sich in großer Dichte in allen Beständen. Vor allem sind die Sentenzenkommentare in den juridischen Regelungen zugleich zu Grundwerken des ethischen und gesellschaftlichen Verhaltens geworden. Angeschlossen wird in den Argumentationen an Vorwerke, theologische und philosophische Lehrhintergründe, an antike Rechtserbschaften, an die Schriften des NT und des AT, an sanktionierte Traditionsautoren, Brauchtum, kirchliche und zivilrechtliche Erlässe und Verordnungen. Alle großen Autoren des späten Mittelalters haben an den Hochschulen Sentenzenwerke gelesen und kommentiert. Im 16. und 17. Jh. wandeln sich die Rechtswerke und ein Großteil ihrer Fragen wandert in zivilrechtliche Werke und anderes wieder in Moralwerke ab. Im Prinzip erfolgt eine allmähliche Herauslösung aus dogmatischen Hintergründen und Begründungen.
Naturrecht und römisches Recht
Auf vielfache Weise spiegeln die historischen Landesbestände das gegenseitige Durchdringen und gleicherweise das Auseinanderdriften nationaler und rom-kirchlicher Interessen. Je nach Hintergrundkonflikten oder Bündnissen scharen sich Autorengruppen um die eine oder andere Position. Es gibt die Verfechter päpstlicher Rechtsprimate und der Rechtszuschnitte auf die päpstliche Hierarchie zu, Verfechter des Konziliarismus, Vertreter dynastischer und pränationaler Vorrechte und nationalpolitischer und nationalkultureller Bündnispräferenzen.
Das Römisch-deutsche Kaisertum , die englischen, spanischen, französischen Monarchien verfahren in ihren Rechtsansprüchen und in ihrer Rechtssicherheit auf unterschiedliche Weise. Rechtsfragen und Rechtstheorien sind von Anfang an von solcher Bedeutung, dass das Rechtswesen eine eigene, vierte Fakultät bekommt. Wie im Fall der Evangelien lassen sich Begriffs- und Geltungskonkordanzen erstellen. Z.B. um kirchliche Rechtsbestimmungen mit zivilrechtlichen Bestimmungen zu einer bestimmten Epoche oder von bestimmten Leitwerken zu vergleichen. Die Vergleiche ergeben Abhängigkeiten, Gemeinsamkeiten, Abweichungen formaler und inhaltlicher Art, Hintergrundgemeinsamkeiten und Hintergrundkonflikte. Denn immer ist Rechtssetzung ein Setzen von Ansprüchen.
Zivile und kirchliche Rechtskriterien
Zivile Rechtskriterien fußen weithin auf Erbrecht, dynastischen Überlegungen, Rückgriffen auf kaiserliche und römische Rechtsquellen [Konstantin, Theodosius ...], auf rechtsphilosophischen Überlegungen der griechischen Antike. Die Rechtsargumentation fußt auf pragmatischen Sach-Überlegungen. Kirchliches Recht ist in erster Linie auf antike, philosophische und theologische Ableitungen gegründet. Beiden Rechtsformen eignen je eigene Begründungsmodelle. Ältere kirchliche Rechtsformen zielen zugleich darauf ab, bibelethisch, bibeltheologisch zu verankern. Zunächst werden diese Begründungen in die theologischen Summen und n die Sentenzenkommentare einbezogen, gewinnen aber später als Moralwerke und in Moraltraktaten ein eigenes Fachprofil.
Konzepte der Gerechtigkeit in der Moraltheologie vom 15. – 19. Jh. [justitia commutative, justitia aequativa, justitia distributiva]
Aus der Antike [Beispiel: Nikomachische Ethik] abgeleitet, werden griechische und römische Rechtsauffassungen in die abendländischen Rechtsauffassungen übernommen. Eine der wesentlichen Grundfragen bleibt, das Verhältnis des Einzelrechts in Abstimmung mit den Rechten der Gemeinschaft [Gemeinwohl] zu bringen. Göttliche, naturrechtliche, zivile, kirchliche Rechts- und Gerechtigkeitstheorien kommen in zahlreichen Bestandstraktaten zur Sprache. Als einer der vier Kardinaltugenden nehmen Tugend- und Gerechtigkeitsparadigmen in den Studien der Moraltheologie und der Schriftauslegung breiten Raum ein. Im Verhalten der christlichen Gemeinde werden Forderungen des Gerechten und der Gerechtigkeit in die Praxis überführt.
›
Rhetorik
Rhetorische Schulung als Grundlehrgang in der philosophischen und theologischen Darstellungsweise
Früh hat die Auseinandersetzung um die Darstellungsweise christlicher Botschaft eingesetzt. : ins Wort gekleidete Heilsvermittlung. Die Vorbilder der literarischen und der rhetorischen Formen konnten im jüdischen Schrifttum, aber nicht weniger in der griechischen und römischen Literaturpraxis gefunden werden.
Das Studium der Rhetorik, der Grammatik und der „Poesie“ wurde in die Lehrpläne der artes liberales aufgenommen. Die Rhetorikwerke reichen von Martianus Cappella [Liber de arte rhetorica], 5. Jh. bis ins 16. Jh. herauf [Caesar Scaliger, 1484-1558]. In der kirchlichen Ausbildung bleibt die Rhetorikschulung wichtiger Teil von Lehrplänen [Predigtausbildung, Katechese, Liturgie]. Im Außerkirchlichen geht die rhetorische Behandlung weitgehend in den Literaturbereich über. Mit und ohne Rückbezug auf die bisherigen Vorbildwerke der antiken Klassiker [Cicero, z.B.]. Noch einmal einen Apex erreicht die Rhetorik in der barocken Oratorik des 17. und 18. Jh. Vor allem in den Vorbildwerken höfischer Predigtrhetorik, höfischer Leichenrede und in den solemnen Formen der Gedächtnis und Preisrede [Panegyrik].
Konzepte der Anschaulichkeit in Kunst, Architektur, Predigt, Unterricht
Es gibt keine ausreichende Untersuchung über die diversen Konzepte der Anschaulichkeit. Rhetorische Konzepte zur Anschaulichkeit finden sich vor allem in Predigtunterweisungen. Stärker untersucht sind die Bildkonzepte in Malerei, Plastik, Architektur. Im Unterricht widmen die Jesuiten an ihren Schulen Unterrichtskonzepten der Bildlichkeit und der Vorstellung neue Aufmerksamkeit. Mit der wachsenden Verbildlichung [z. B. in der Legenden- und Heiligenpredigt] geht einher eine erhöhte Zuwendung an das einfache Volk, z.B. in der franziskanischen Volks- und Armutsbewegung.
Erziehung und Bildung im postreformatorischen Umgestaltungsprozess der Mentalitäten [sittliche Bildung, sprachliche Erziehung und Schulung, Philosophie und Rhetorik, die rhetorische Fassung der Theologie...]
Sowohl im Protestantismus wie im Katholizismus gibt es Reformansätze im Erziehungs- und Bildungsbereich. Z. B. in der Neueinführung der antiken Sprachen ins Bildungssystem, in der Neuprogrammierung der Gymnasialstudien, in der Ratio Studiorum der SJ-Gymnasien, in der Parallelisierung von Theorie und Übung, in der Beherrschungskontrolle und in den Examina über das bereits Behandelte. Vieles unseres heutigen Unterrichtssystems stammt aus diesen Reformprozessen. Bestandssammlungen weisen auch in den Pfarreien Unterrichtsmaterialien aus unterschiedlichen Epochen auf. Sammelbestände waren auch Depots für Materialien aus den eigenen Bildungsdurchgängen.
Früh hat die Auseinandersetzung um die Darstellungsweise christlicher Botschaft eingesetzt. : ins Wort gekleidete Heilsvermittlung. Die Vorbilder der literarischen und der rhetorischen Formen konnten im jüdischen Schrifttum, aber nicht weniger in der griechischen und römischen Literaturpraxis gefunden werden.
Das Studium der Rhetorik, der Grammatik und der „Poesie“ wurde in die Lehrpläne der artes liberales aufgenommen. Die Rhetorikwerke reichen von Martianus Cappella [Liber de arte rhetorica], 5. Jh. bis ins 16. Jh. herauf [Caesar Scaliger, 1484-1558]. In der kirchlichen Ausbildung bleibt die Rhetorikschulung wichtiger Teil von Lehrplänen [Predigtausbildung, Katechese, Liturgie]. Im Außerkirchlichen geht die rhetorische Behandlung weitgehend in den Literaturbereich über. Mit und ohne Rückbezug auf die bisherigen Vorbildwerke der antiken Klassiker [Cicero, z.B.]. Noch einmal einen Apex erreicht die Rhetorik in der barocken Oratorik des 17. und 18. Jh. Vor allem in den Vorbildwerken höfischer Predigtrhetorik, höfischer Leichenrede und in den solemnen Formen der Gedächtnis und Preisrede [Panegyrik].
Konzepte der Anschaulichkeit in Kunst, Architektur, Predigt, Unterricht
Es gibt keine ausreichende Untersuchung über die diversen Konzepte der Anschaulichkeit. Rhetorische Konzepte zur Anschaulichkeit finden sich vor allem in Predigtunterweisungen. Stärker untersucht sind die Bildkonzepte in Malerei, Plastik, Architektur. Im Unterricht widmen die Jesuiten an ihren Schulen Unterrichtskonzepten der Bildlichkeit und der Vorstellung neue Aufmerksamkeit. Mit der wachsenden Verbildlichung [z. B. in der Legenden- und Heiligenpredigt] geht einher eine erhöhte Zuwendung an das einfache Volk, z.B. in der franziskanischen Volks- und Armutsbewegung.
Erziehung und Bildung im postreformatorischen Umgestaltungsprozess der Mentalitäten [sittliche Bildung, sprachliche Erziehung und Schulung, Philosophie und Rhetorik, die rhetorische Fassung der Theologie...]
Sowohl im Protestantismus wie im Katholizismus gibt es Reformansätze im Erziehungs- und Bildungsbereich. Z. B. in der Neueinführung der antiken Sprachen ins Bildungssystem, in der Neuprogrammierung der Gymnasialstudien, in der Ratio Studiorum der SJ-Gymnasien, in der Parallelisierung von Theorie und Übung, in der Beherrschungskontrolle und in den Examina über das bereits Behandelte. Vieles unseres heutigen Unterrichtssystems stammt aus diesen Reformprozessen. Bestandssammlungen weisen auch in den Pfarreien Unterrichtsmaterialien aus unterschiedlichen Epochen auf. Sammelbestände waren auch Depots für Materialien aus den eigenen Bildungsdurchgängen.
›
Säkularisation und Bestandsverluste
Bestandsverluste unter Joseph II. und infolge der Säkularisation
Sowohl Joseph II. als auch der Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg haben durch Klosteraufhebungen in die Bestandsgeschichte des Landes eingegriffen. Wertvolle Bestände gingen verloren, andere wurden überführt und finden sich in großen europäischen Sammlungen, wie Wien, München, Innsbruck ... Nicht erforscht ist, was als Kriegsbeute in französischen und anderen ausländischen Sammlungen noch verborgen liegt. Der EHB-Katalog bietet wesentliche Aufschlüsse auch darüber, was dem Land an Beständen seitdem fehlt und über die Entstehung der großen Sammelbibliotheken in Innsbruck, Wien, München und anderswo. Erst über den Nachweis der Fehlbestände lässt sich ein kulturelles Gesamtbild des Landes erstellen.
Auf der Suche nach verlorenen Beständen
Bestandssuche ist ein akribisches, hallbs kriminalistisches Unterfangen. Über einiges gibt es nachweisbare Spuren, für anderes müssen auch die Spuren erst ausgemacht werden.
Bestandssuche ist insofern ein Forschungsdesiderat, als erst aus dem Nachweis dessen, was alles im Lande war, ein Bild darüber gewonnen werden kann, welche Prägebestände unsere Landeskultur und Landesmentalität über die unterschiedlichen Trägerschichten geformt haben [Adelsbestände, Magistratsbestände, Ordensnetze, Pfarrnetze, Sondersammlungen ...].
Bestandsverluste in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart herauf
1918/1920 leiten einen tiefgehenden Wandel in den Landesbeständen ein. Alte Zusammenhänge werden abgebrochen und neuen politischen und kulturellen Gegebenheiten untergeordnet [Phase der faschistischen i Landeskolonialisierung und Italianisierung]. Die Verluste und Bestandsverbringungen aus den Jahrzehnten zwischen 1920 und 1945 harren noch der Aufarbeitung. Weitere Verluste sind mit dem Zweiten Weltkrieg eingetreten. Die neuesten Verluste gehen auf Entsorgungen, Veräußerungen [infolge von Umbauten, Kloster- und Pfarrhausauflassungen], auf Verluste über Erbschaften, fehlende Pflege , Personalrückgänge in den Trägerschaften, Desinteresse, antihistorische Auffassungen der 68er Jahre, mangelndes Wertbewusstsein gegenüber den Beständen für Forschung, Kultur und Mentalitätsgeschichte zurück. Bei den angesprochenen Verlusten handelt es sich nur um historische Bestandsverluste und nicht um die Entsorgungen in neueren Lese- Gebiets- und Schulbibliotheken. Deren Bestückung und Entsorgung bilden einen eigenen Fragenkomplex.
Sowohl Joseph II. als auch der Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg haben durch Klosteraufhebungen in die Bestandsgeschichte des Landes eingegriffen. Wertvolle Bestände gingen verloren, andere wurden überführt und finden sich in großen europäischen Sammlungen, wie Wien, München, Innsbruck ... Nicht erforscht ist, was als Kriegsbeute in französischen und anderen ausländischen Sammlungen noch verborgen liegt. Der EHB-Katalog bietet wesentliche Aufschlüsse auch darüber, was dem Land an Beständen seitdem fehlt und über die Entstehung der großen Sammelbibliotheken in Innsbruck, Wien, München und anderswo. Erst über den Nachweis der Fehlbestände lässt sich ein kulturelles Gesamtbild des Landes erstellen.
Auf der Suche nach verlorenen Beständen
Bestandssuche ist ein akribisches, hallbs kriminalistisches Unterfangen. Über einiges gibt es nachweisbare Spuren, für anderes müssen auch die Spuren erst ausgemacht werden.
Bestandssuche ist insofern ein Forschungsdesiderat, als erst aus dem Nachweis dessen, was alles im Lande war, ein Bild darüber gewonnen werden kann, welche Prägebestände unsere Landeskultur und Landesmentalität über die unterschiedlichen Trägerschichten geformt haben [Adelsbestände, Magistratsbestände, Ordensnetze, Pfarrnetze, Sondersammlungen ...].
Bestandsverluste in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart herauf
1918/1920 leiten einen tiefgehenden Wandel in den Landesbeständen ein. Alte Zusammenhänge werden abgebrochen und neuen politischen und kulturellen Gegebenheiten untergeordnet [Phase der faschistischen i Landeskolonialisierung und Italianisierung]. Die Verluste und Bestandsverbringungen aus den Jahrzehnten zwischen 1920 und 1945 harren noch der Aufarbeitung. Weitere Verluste sind mit dem Zweiten Weltkrieg eingetreten. Die neuesten Verluste gehen auf Entsorgungen, Veräußerungen [infolge von Umbauten, Kloster- und Pfarrhausauflassungen], auf Verluste über Erbschaften, fehlende Pflege , Personalrückgänge in den Trägerschaften, Desinteresse, antihistorische Auffassungen der 68er Jahre, mangelndes Wertbewusstsein gegenüber den Beständen für Forschung, Kultur und Mentalitätsgeschichte zurück. Bei den angesprochenen Verlusten handelt es sich nur um historische Bestandsverluste und nicht um die Entsorgungen in neueren Lese- Gebiets- und Schulbibliotheken. Deren Bestückung und Entsorgung bilden einen eigenen Fragenkomplex.
›
Signaturen
Signaturgebungen: Die unterschiedlichen Signaturgebungen in den südtirolischen Beständen
Signatursysteme stehen im Zusammenhang mit Ordensnetzen, aber auch mit Landesgrenzen und Kulturzusammenhängen. Südtirol steht bis 1918 im tirolischen Herrschaftsraum Darüber hinaus seit Jahrhunderten im bayerisch-österreichischen Kulturraum. Andere Schwerpunkte und Institutionen, wie Druckernetze, Strömungen hinterlassen in den Signaturen ihre historischen und kulturellen Abdrücke.
Signatursysteme stehen im Zusammenhang mit Ordensnetzen, aber auch mit Landesgrenzen und Kulturzusammenhängen. Südtirol steht bis 1918 im tirolischen Herrschaftsraum Darüber hinaus seit Jahrhunderten im bayerisch-österreichischen Kulturraum. Andere Schwerpunkte und Institutionen, wie Druckernetze, Strömungen hinterlassen in den Signaturen ihre historischen und kulturellen Abdrücke.
›
Statistische Werte
Statistische Werte und Rollen von repräsentativen Autoren der süddeutschen Buchlandschaft
Statistische Angaben geben Auskunft über Verteilungsdichte von Autoren, über deren Werkdichte und Nachfrage, Zeiträume der Geltung, lokale Zuweisungen und Rollen sowie über vieles andere.
Statistische Nachweise geben insbesondere deutliche Aufschlüsse über Gedankengänge und Prägeprozesse, die von ihnen ausgingen. Ohne sie kann Mentalitätsgeschichte nicht begründet genug geschrieben werden. So mühsam Zahlenaufstellungen und Zahlenableitungen auch sind, so aussagebedeutsam sind sie anderseits für vieles.
Statistische Angaben geben Auskunft über Verteilungsdichte von Autoren, über deren Werkdichte und Nachfrage, Zeiträume der Geltung, lokale Zuweisungen und Rollen sowie über vieles andere.
Statistische Nachweise geben insbesondere deutliche Aufschlüsse über Gedankengänge und Prägeprozesse, die von ihnen ausgingen. Ohne sie kann Mentalitätsgeschichte nicht begründet genug geschrieben werden. So mühsam Zahlenaufstellungen und Zahlenableitungen auch sind, so aussagebedeutsam sind sie anderseits für vieles.





