Themenliste: A - B
Über die Themenliste
Die EHB-Themenliste will Forscher, Interessierte, Di- plomstudenten und die Be- standsträger selbst auf lohnende Forschungsas- pekte verweisen. Die Liste reicht von der Beschäf- tigung mit einzelnen Au- toren und beschränkten Themenstellungen bis hin zu Epochenzusammenhängen.
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Andacht
Die Volksandacht und volkstümliche Andachtswerke
In Abhebung von der offiziellen kirchlichen Liturgie [Psalter, Brevier, Gottesdienste, Sakramentenliturgie] entwickeln sich nach und nach volkssprachliche Riten, Segnungen, Andachten, Stundengebete u.v.a.]. In ihnen müssen Begriffe des Lateinischen [der Moral, der Liturgie, der Dogmatik...] volksverständlich umgesetzt und vereinfacht werden. Während die Volkskatechese die lehrinhaltlichen Auffassungen bestimmt, dringt die Volksandacht in die Erlebnistiefe der Menschen ein und formt sie [Ergriffenheit unmittelbares Angesprochensein, Momente der Beteiligung, Volksgesänge...].
Vom Stundenbuch zum allgemeinen Volksgebetbuch
Nach den Bestimmungen von Karl. d. Großen war jeder Untertan verpflichtet, einige christliche Grundtexte und Grundgebete auswendig zu können [Vater unser, Glaubensbekenntnis, Taufgelöbnis, Beichtformel...]. Das Volk besitzt zunächst nicht die Voraussetzung für umfassendere Gebetszusammenstellungen. Solche besitzt hingegen der Klerus [Psalter, Brevier, Sakramentare, Vätertexte, Hymnare etc.]. Diese waren und blieben in Latein verfasst. Erst ganz allmählich bilden sich Gebet- und Gesangstexte für das Volk heraus. Einige deutsche Stundenbuchübersetzungen für Nonnen stellen dabei einen gewichtigen Schritt dar. Den Nonnenbüchern gesellen sich Stundenbücher in der Landessprache für Lesekundige und Adelige hinzu. Mit dem Buchdruck und mit Luther kommt es zur ersten großen Verbreitung von Volksgebetbüchern und Liedsammlungen.
Das leicht missachtete Gebetbuch ist eine wichtige Sprach- und Vorstellungsquelle auf dem Wege der Volksprägung. Sowohl in Hinsicht des Sprachlichen als auch in Hinsicht der inhaltlichen Entfaltungen ist das Medium Gebetbuch Gegenstand spannender Forschungen.
In Abhebung von der offiziellen kirchlichen Liturgie [Psalter, Brevier, Gottesdienste, Sakramentenliturgie] entwickeln sich nach und nach volkssprachliche Riten, Segnungen, Andachten, Stundengebete u.v.a.]. In ihnen müssen Begriffe des Lateinischen [der Moral, der Liturgie, der Dogmatik...] volksverständlich umgesetzt und vereinfacht werden. Während die Volkskatechese die lehrinhaltlichen Auffassungen bestimmt, dringt die Volksandacht in die Erlebnistiefe der Menschen ein und formt sie [Ergriffenheit unmittelbares Angesprochensein, Momente der Beteiligung, Volksgesänge...].
Vom Stundenbuch zum allgemeinen Volksgebetbuch
Nach den Bestimmungen von Karl. d. Großen war jeder Untertan verpflichtet, einige christliche Grundtexte und Grundgebete auswendig zu können [Vater unser, Glaubensbekenntnis, Taufgelöbnis, Beichtformel...]. Das Volk besitzt zunächst nicht die Voraussetzung für umfassendere Gebetszusammenstellungen. Solche besitzt hingegen der Klerus [Psalter, Brevier, Sakramentare, Vätertexte, Hymnare etc.]. Diese waren und blieben in Latein verfasst. Erst ganz allmählich bilden sich Gebet- und Gesangstexte für das Volk heraus. Einige deutsche Stundenbuchübersetzungen für Nonnen stellen dabei einen gewichtigen Schritt dar. Den Nonnenbüchern gesellen sich Stundenbücher in der Landessprache für Lesekundige und Adelige hinzu. Mit dem Buchdruck und mit Luther kommt es zur ersten großen Verbreitung von Volksgebetbüchern und Liedsammlungen.
Das leicht missachtete Gebetbuch ist eine wichtige Sprach- und Vorstellungsquelle auf dem Wege der Volksprägung. Sowohl in Hinsicht des Sprachlichen als auch in Hinsicht der inhaltlichen Entfaltungen ist das Medium Gebetbuch Gegenstand spannender Forschungen.
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Argumentationsmodelle
Zwei Modelle der Argumentation – die theologische und die philosophische Argumentation in den Leitwerken der Bestände und in der pastoralen Vermittlung
In der griechischen und römischen Kontextwelt des frühen Christentums flossen zwei unterschiedliche Argumentationsweisen zusammen: die Theologische Argumentation aus dem Alten und Neuen Testament und die Fortführung der hellenistisch orientierten Bildungs in den Natur- und Geisteswissenschaften. Bereits in den frühen Kirchenschriftstellern und und in deren Geschichtsauffassungen offenbart sich das Ringen, Profanwissenschaft, Profangeschichte mit Heilsgeschichte zu verbinden bzw. diese heilsgeschichtlich zu interpretieren [Origenes, Eusebius v. Cäsarea, Augustinus, die frühen Kirchenväter und Kirchenlehrer der Ostkirche, Isidor v. Sevilla ...]. Die Dialektik allgemeinphilosophische Betrachtung und heilsgeschichtliche Betrachtung zieht sich bis in die Gegenwart herein durch.
In der griechischen und römischen Kontextwelt des frühen Christentums flossen zwei unterschiedliche Argumentationsweisen zusammen: die Theologische Argumentation aus dem Alten und Neuen Testament und die Fortführung der hellenistisch orientierten Bildungs in den Natur- und Geisteswissenschaften. Bereits in den frühen Kirchenschriftstellern und und in deren Geschichtsauffassungen offenbart sich das Ringen, Profanwissenschaft, Profangeschichte mit Heilsgeschichte zu verbinden bzw. diese heilsgeschichtlich zu interpretieren [Origenes, Eusebius v. Cäsarea, Augustinus, die frühen Kirchenväter und Kirchenlehrer der Ostkirche, Isidor v. Sevilla ...]. Die Dialektik allgemeinphilosophische Betrachtung und heilsgeschichtliche Betrachtung zieht sich bis in die Gegenwart herein durch.
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Artistenfakultät
Die artes liberales im Bildungskonzept des Spätmittelalters
Im Lexikon für Theologie und Kirche [1957-1967] wird die Artistenfakultät überhaupt nicht und im Lexikon für das gesamte Buchwesen nur ganz knapp genannt. Martianus Capella, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis, Hrabanus Maurus, Alkuin, die Schule von Chartres z. B. zielen auf ein neues Interpretationssystem ab. Formale Voraussetzungen dafür sind Grammatik, Rhetorik, Dialektik auf der ersten Ausbildungsstufe [Trivium]. Das Regelsystem und die Paradigmen dafür liefern die antiken Autoren. Die Anwendung erfolgt in der Disputatio, der mündlichen oder schriftlichen Erörterung von anerkannten Autoren und Neuem im offenen Dafür und Dawider. Nach demselben Schema bauen die nachfolgenden Summenwerke ihre Darlegungen auf: quaestio [Fragestellung] – propositiones [Belege und Sichtweisen anerkannter alter und neuer Autoritäten] und deren disputatio [Erörterung] mit den entsprechenden Schlussfolgerungen am Ende [conclusiones]. Auf diese Weise entsteht eine neue, rational ausgerichtete Wahrheitsfindung. Die von stärker affektiv betonten und bibelallegorischen Theologumena abzuweichen beginnt.
Im Lexikon für Theologie und Kirche [1957-1967] wird die Artistenfakultät überhaupt nicht und im Lexikon für das gesamte Buchwesen nur ganz knapp genannt. Martianus Capella, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis, Hrabanus Maurus, Alkuin, die Schule von Chartres z. B. zielen auf ein neues Interpretationssystem ab. Formale Voraussetzungen dafür sind Grammatik, Rhetorik, Dialektik auf der ersten Ausbildungsstufe [Trivium]. Das Regelsystem und die Paradigmen dafür liefern die antiken Autoren. Die Anwendung erfolgt in der Disputatio, der mündlichen oder schriftlichen Erörterung von anerkannten Autoren und Neuem im offenen Dafür und Dawider. Nach demselben Schema bauen die nachfolgenden Summenwerke ihre Darlegungen auf: quaestio [Fragestellung] – propositiones [Belege und Sichtweisen anerkannter alter und neuer Autoritäten] und deren disputatio [Erörterung] mit den entsprechenden Schlussfolgerungen am Ende [conclusiones]. Auf diese Weise entsteht eine neue, rational ausgerichtete Wahrheitsfindung. Die von stärker affektiv betonten und bibelallegorischen Theologumena abzuweichen beginnt.
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Aufklärung
Die Geschichte der Aufklärung in den EHB-Beständen von...
Hierbei kann ein ganz beliebiger geschlossener Katalog-Bestand hergenommen und untersucht werden. In den Beständen finden sich Werke wichtiger und auch kirchenkritischer Aufklärer neben aufklärungskritischen Gegenwerken.
Wenig erforscht ist die Aufklärung in Predigtwerken, Katechese, im pastoralen Schrifttum und in den Veröffentlichungsserien für einfache Menschen [Landbevölkerung, Bürger, Stände]. Für die mentalitätsgeschichtliche Betrachtung besonders lohnend ist der sprachliche und begriffliche Wandel in en Anschauungskonzepten.
Hierbei kann ein ganz beliebiger geschlossener Katalog-Bestand hergenommen und untersucht werden. In den Beständen finden sich Werke wichtiger und auch kirchenkritischer Aufklärer neben aufklärungskritischen Gegenwerken.
Wenig erforscht ist die Aufklärung in Predigtwerken, Katechese, im pastoralen Schrifttum und in den Veröffentlichungsserien für einfache Menschen [Landbevölkerung, Bürger, Stände]. Für die mentalitätsgeschichtliche Betrachtung besonders lohnend ist der sprachliche und begriffliche Wandel in en Anschauungskonzepten.
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Ausbildungsstätten
Studienanstalten, Generalstudien. Hochschulen und Universitäten als Bildungshintergrund für die Bestände und als Ursprungsorte von Strömungen
Studienstätten stehen nicht einzeln für sich da. Sie stehen innerhalb und sind abhängig von Netzwerken [Diözesannetze, Ordensnetze, nationale und überregionale Netzwerke, Netzwerke mit bestimmten Studienschwerpunkten, Fakultätsnetzen]. Über Absolventen und deren Bezugswerke, Buchhandelsnetze, kirchliche Empfehlungen und Vorschriften, Dekanatskonferenzen, aber auch über landherrliche Verordnungen und Zensuren oder Förderungen strömen die Hintergrundverhältnisse in die pastorale Vermittlung des Landes ein. In den Beständen zeigt sich dies in differenzierten und oft recht gegensätzlichen Strömungswerken. Die großen Orden [Benediktiner, Kartäuser, Zisterzienser, Dominikaner, Franziskaner, später Kapuziner, Jesuiten u.a.] gründen weitgehend ihre eigenen Ausbildungsstätten und bilden eigene Strömungen aus.
Die universitären Ausbildungs- und Einflusszentren Augsburg, Dillingen, Ingolstadt, München, Innsbruck / Die großen jesuitischen Einflusszentren im süddeutschen und tirolischen Raum
Die süddeutschen Zentren stehen in Verbindung mit den traditionellen katholischen Herrscherhäusern. Diese werden zu Zentren der katholischen Reform für den süddeutschen und tirolischen Raum. Viele für Tirol z. B. nachweisbare Seelsorger haben an diesen jesuitischen Standorten ihre Studienausbildung erhalten. Aber auch zahlreiche Adelige und Mitglieder des bürgerlichen Standes erhalten dort ihre Prägung. Sie üben später in Amt und Würden ihrerseits einen bedeutenden Einfluss politisch und kirchlich im Lande aus. In den Buchsammlungen der Pfarreien finden sich Jesuitenautoren in großer Dichte.
Studienstätten stehen nicht einzeln für sich da. Sie stehen innerhalb und sind abhängig von Netzwerken [Diözesannetze, Ordensnetze, nationale und überregionale Netzwerke, Netzwerke mit bestimmten Studienschwerpunkten, Fakultätsnetzen]. Über Absolventen und deren Bezugswerke, Buchhandelsnetze, kirchliche Empfehlungen und Vorschriften, Dekanatskonferenzen, aber auch über landherrliche Verordnungen und Zensuren oder Förderungen strömen die Hintergrundverhältnisse in die pastorale Vermittlung des Landes ein. In den Beständen zeigt sich dies in differenzierten und oft recht gegensätzlichen Strömungswerken. Die großen Orden [Benediktiner, Kartäuser, Zisterzienser, Dominikaner, Franziskaner, später Kapuziner, Jesuiten u.a.] gründen weitgehend ihre eigenen Ausbildungsstätten und bilden eigene Strömungen aus.
Die universitären Ausbildungs- und Einflusszentren Augsburg, Dillingen, Ingolstadt, München, Innsbruck / Die großen jesuitischen Einflusszentren im süddeutschen und tirolischen Raum
Die süddeutschen Zentren stehen in Verbindung mit den traditionellen katholischen Herrscherhäusern. Diese werden zu Zentren der katholischen Reform für den süddeutschen und tirolischen Raum. Viele für Tirol z. B. nachweisbare Seelsorger haben an diesen jesuitischen Standorten ihre Studienausbildung erhalten. Aber auch zahlreiche Adelige und Mitglieder des bürgerlichen Standes erhalten dort ihre Prägung. Sie üben später in Amt und Würden ihrerseits einen bedeutenden Einfluss politisch und kirchlich im Lande aus. In den Buchsammlungen der Pfarreien finden sich Jesuitenautoren in großer Dichte.
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Autoren
Bestandsautoren aus dem deutschsprachigen Kulturraum
Bereits in den Inkunabelbeständen von EHB finden sich Autoren mit deutschsprachigen Werken. Darunter sind solche, deren Vorwerke lateinisch geschrieben wurden, andere, ursprünglich deutsch verfasste Werke wurden nachträglich um der europäischen Verbreitung willen ins Lateinische übertragen. Einen Schub in den Prozentanteilen zugunsten des Deutschen brachten der Buchdruck und die Reformation. Unter den Autoren finden wir die großen Namen des 16. und 17. Jh. Jedes einzelne Werk bildet ein spannendes Untersuchungsfeld.
Das aufkommende Bürgertum und das einfache Volk interessieren sich für die Reform und Neuerungen, für Chronikwerke [Historien, Weltchroniken, Reisewerke], für Werke der Volkspastoral, aber auch der Literatur und der literarischen Auseinandersetzungen. Der Humanismus gibt nochmals dem Kennenlernen der antiken Sprachen und Autoren einen mächtigen Impuls. Fördert aber auch das nationalsprachliche Verfassen von Werken.
Autoren aus dem französisch-sprachigen Raum
Rasch hatte sich im 12. Jh. Paris als ein elitäres Studienzentrum für Europa herausgebildet. Alle größeren Orden gründen hier ihre Studienkollegien. Die Studieneinrichtungen der Stadt übernehmen so etwas wie eine europäische Leitfunktion in den Artes, in den Rechtsauslegungen, in Philosophie, in den Sentenzenkommentaren, in der Auseinandersetzung Papsttum – Konziliarismus.
Noch einmal erfolgt von Paris aus eine große europäische Leitblüte unter Ludwig XIV. bis herauf Mitte des 18. Jh. und anschließend mit der französischen Aufklärung und dem Schrifttum zur Revolution. In der Erziehungslehre sind Rabelais, Fénélon Vorbild, in der Geschichtschreibung Alex. Natalis, Claude Fleury [mit gallikanischen Tendenzen], Bérault-Bercastel u. a.; in der höfischen Oratorik und in barocker Predigtoratorik sind gesamteuropäische Leitfiguren J.B. Bossuet, E. Fléchier, J. Massillon, L. Bourdaloue, J. Le Jeune, C. Fleury, A. Natalis...Es gibt kaum eine Pfarrei, die die Werke nicht in ihren Beständen hatte.
Die griechisch-sprachigen Autoren in den Beständen
Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat eine intensive Suche nach den antiken Wurzeln der europ. Kultur und Geschichte eingesetzt. Neueste Studien weisen einen vielfältigen Austausch und einen reichen Überlieferungsstrom für griechische Philosophie, Literatur, Medizin, Mathematik etc. nach. Die Theorie der ausschließlich arabisch-spanischen Vermittlung ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Nicht nur in lateinischer Übersetzung gibt es die griechischen Autoren. Es gibt auch einen regen Austausch mit Byzanz die ganzen Jahrhunderte herauf.
Von großer Bedeutung ist die Kenntnis und Verwendung der griechischen Kirchenschriftsteller.
Autoren aus dem italienisch-sprachlichen Raum
Einige Beispiele dafür sind Jakobus a Voragine, Paolo Segneri d. Ä. und Paolo Segneri d. Jüngere, Petrus Lombardus [Sentenzenkommentare], Petrus Damiani, Bonaventura, Antonius v. Padua, Enea Silvio Piccolomini, Francesco da Paola, Konzilsbeschlüsse von Trient, Karl Borromäus, Baronius …, dazu päpstliche Rechtswerke und Erlässe, Ritenvorschriften u. kurial ausgerichtetes Schrifttum.
Für den an den deutschen Kulturraum angrenzenden italienischen Kulturraum sind die Blüte der Kirchenmusik, die Entfaltung von Singspiel und Operette kennzeichnend. Ab auch Einflusswerke der italienischen Literatur, und in der nachnapoleonischen Zeit entsteht eine irredentistische Strömung, deren besonderen Zeugnisse sich in den Meraner Museumsbeständen in dichterer Weise finden.
Die lateinisch-sprachliche Literatur und deren Autoren im EHB-Katalog
Latein bleibt europ. Kommunikationssprache für lange Zeit in Kirche und Bildung. Deshalb können Standardwerke der europ. Kulturen mühelos über alle Grenzen hinweg wandern und ausgetauscht werden. Besonders in den Diözesen Trient und Brixen zeigen sich Austauschprozesse in besonderer Deutlichkeit. Im Humanismus wird Latein erneut zur klassischen Bildungssprache. Das Konzil von Trient begünstigt es weiterhin als katholische Differenz- und Kultsprache gegenüber den volkssprachlichen Anschlüssen der Reformation. Bis in die Neuzeit reicht das Lateinstudium im Fächerkanon der klassischen Gymnasien. Wer immer forscht, gelangt über diese Einheitssprache zurück bis in die lateinische Antike.
Die nichtchristlichen lateinischen Autoren in Beständen
Einmal wächst die Christianisierung der Länder des Westens [Okzident] aus dem lateinischen Kulturkreis hervor. Das Christentum übernimmt die antike Bildungswelt, setzt sich mit ihr auseinander, kopiert sie in den kirchlichen, hauptsächlich mönchischen Skriptorien, und integriert sie.
An den „Lateinern“ lernen die nachfolgenden Jahrhunderte schreiben, denken und diskutieren. Die einen sind literarisches und ästhetisches Vorbild, andere bieten inhaltliche Aspekte und Wertvermittlungen an [Seneca, Plinius d. J., Titus Livius ...].
Autoren und Schrifttum aus dem spanisch-sprachlichen Kulturraum
Als romanischsprachliches Land bleibt Spanien im lateinisch-vulgärlateinischen Kulturkreis. Bereits in den frühen Jahrhunderten fließt der kirchenlateinische Austausch mit dem Papsttum. Eine Fülle von Autoren strahlen über das gesamte Westeuropa aus und finden sich in großer Verbreitung auch in den Südtiroler Sammlungen: Isidor von Sevilla, Kard. Franciscus Ximenes, Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Thomas von Torquemada. Insbesondere sind es franziskanische und später jesuitische Autoren. Die bis in die tirolischen Pfarrbestände hineinreichen [L. de Granada, Alfonso de Castro, F. de Ribe[i]ra, A. Rodriguez, Esobar de Mendoza, F. Suárez, G. Vásquez, L. de Molina ...].
Begünstigt scheint diese spanische Werkflut in den tirolischen beständen durch die habsburgische dynastische Verwandtschaft der beiden Länder, durch eine besondere Blüte Spaniens im 16. und 17. Jh. und durch die entscheidende Rolle der Jesuiten im bayrisch-tirolischen Raum.
Autoren aus dem deutschsprachigen Raum in den Beständen von Trient und Rovereto
Anna Gonzo, Beatrice Niccolini, Wlter Manica u. a. haben im Auftrag der Autonomen Provinz Trient [Servizio beni culturali – Servizio beni librari e archivistici] wichtige historische Bibliotheken des Trentino nach ihren Inkunabeln und nach ihren Drucken des 16. Jh. [Cinquecentine] untersucht und in ausgezeichneter Bearbeitung der Öffentlichkeit vorgelegt. Darunter befinden sich zahlreiche Autoren aus dem deutschsprachigen Kulturraum und von deutschen Druckanstalten. Für die kulturelle Brücke der beiden Diözesen Brixen und Trient von unschätzbarem und in vieler Hinsicht von aussagkräftigem Wert. Im Vergleich lassen sich zahlreiche europ. politische und kulturellen Zusammenhänge erheben.
Bereits in den Inkunabelbeständen von EHB finden sich Autoren mit deutschsprachigen Werken. Darunter sind solche, deren Vorwerke lateinisch geschrieben wurden, andere, ursprünglich deutsch verfasste Werke wurden nachträglich um der europäischen Verbreitung willen ins Lateinische übertragen. Einen Schub in den Prozentanteilen zugunsten des Deutschen brachten der Buchdruck und die Reformation. Unter den Autoren finden wir die großen Namen des 16. und 17. Jh. Jedes einzelne Werk bildet ein spannendes Untersuchungsfeld.
Das aufkommende Bürgertum und das einfache Volk interessieren sich für die Reform und Neuerungen, für Chronikwerke [Historien, Weltchroniken, Reisewerke], für Werke der Volkspastoral, aber auch der Literatur und der literarischen Auseinandersetzungen. Der Humanismus gibt nochmals dem Kennenlernen der antiken Sprachen und Autoren einen mächtigen Impuls. Fördert aber auch das nationalsprachliche Verfassen von Werken.
Autoren aus dem französisch-sprachigen Raum
Rasch hatte sich im 12. Jh. Paris als ein elitäres Studienzentrum für Europa herausgebildet. Alle größeren Orden gründen hier ihre Studienkollegien. Die Studieneinrichtungen der Stadt übernehmen so etwas wie eine europäische Leitfunktion in den Artes, in den Rechtsauslegungen, in Philosophie, in den Sentenzenkommentaren, in der Auseinandersetzung Papsttum – Konziliarismus.
Noch einmal erfolgt von Paris aus eine große europäische Leitblüte unter Ludwig XIV. bis herauf Mitte des 18. Jh. und anschließend mit der französischen Aufklärung und dem Schrifttum zur Revolution. In der Erziehungslehre sind Rabelais, Fénélon Vorbild, in der Geschichtschreibung Alex. Natalis, Claude Fleury [mit gallikanischen Tendenzen], Bérault-Bercastel u. a.; in der höfischen Oratorik und in barocker Predigtoratorik sind gesamteuropäische Leitfiguren J.B. Bossuet, E. Fléchier, J. Massillon, L. Bourdaloue, J. Le Jeune, C. Fleury, A. Natalis...Es gibt kaum eine Pfarrei, die die Werke nicht in ihren Beständen hatte.
Die griechisch-sprachigen Autoren in den Beständen
Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat eine intensive Suche nach den antiken Wurzeln der europ. Kultur und Geschichte eingesetzt. Neueste Studien weisen einen vielfältigen Austausch und einen reichen Überlieferungsstrom für griechische Philosophie, Literatur, Medizin, Mathematik etc. nach. Die Theorie der ausschließlich arabisch-spanischen Vermittlung ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Nicht nur in lateinischer Übersetzung gibt es die griechischen Autoren. Es gibt auch einen regen Austausch mit Byzanz die ganzen Jahrhunderte herauf.
Von großer Bedeutung ist die Kenntnis und Verwendung der griechischen Kirchenschriftsteller.
Autoren aus dem italienisch-sprachlichen Raum
Einige Beispiele dafür sind Jakobus a Voragine, Paolo Segneri d. Ä. und Paolo Segneri d. Jüngere, Petrus Lombardus [Sentenzenkommentare], Petrus Damiani, Bonaventura, Antonius v. Padua, Enea Silvio Piccolomini, Francesco da Paola, Konzilsbeschlüsse von Trient, Karl Borromäus, Baronius …, dazu päpstliche Rechtswerke und Erlässe, Ritenvorschriften u. kurial ausgerichtetes Schrifttum.
Für den an den deutschen Kulturraum angrenzenden italienischen Kulturraum sind die Blüte der Kirchenmusik, die Entfaltung von Singspiel und Operette kennzeichnend. Ab auch Einflusswerke der italienischen Literatur, und in der nachnapoleonischen Zeit entsteht eine irredentistische Strömung, deren besonderen Zeugnisse sich in den Meraner Museumsbeständen in dichterer Weise finden.
Die lateinisch-sprachliche Literatur und deren Autoren im EHB-Katalog
Latein bleibt europ. Kommunikationssprache für lange Zeit in Kirche und Bildung. Deshalb können Standardwerke der europ. Kulturen mühelos über alle Grenzen hinweg wandern und ausgetauscht werden. Besonders in den Diözesen Trient und Brixen zeigen sich Austauschprozesse in besonderer Deutlichkeit. Im Humanismus wird Latein erneut zur klassischen Bildungssprache. Das Konzil von Trient begünstigt es weiterhin als katholische Differenz- und Kultsprache gegenüber den volkssprachlichen Anschlüssen der Reformation. Bis in die Neuzeit reicht das Lateinstudium im Fächerkanon der klassischen Gymnasien. Wer immer forscht, gelangt über diese Einheitssprache zurück bis in die lateinische Antike.
Die nichtchristlichen lateinischen Autoren in Beständen
Einmal wächst die Christianisierung der Länder des Westens [Okzident] aus dem lateinischen Kulturkreis hervor. Das Christentum übernimmt die antike Bildungswelt, setzt sich mit ihr auseinander, kopiert sie in den kirchlichen, hauptsächlich mönchischen Skriptorien, und integriert sie.
An den „Lateinern“ lernen die nachfolgenden Jahrhunderte schreiben, denken und diskutieren. Die einen sind literarisches und ästhetisches Vorbild, andere bieten inhaltliche Aspekte und Wertvermittlungen an [Seneca, Plinius d. J., Titus Livius ...].
Autoren und Schrifttum aus dem spanisch-sprachlichen Kulturraum
Als romanischsprachliches Land bleibt Spanien im lateinisch-vulgärlateinischen Kulturkreis. Bereits in den frühen Jahrhunderten fließt der kirchenlateinische Austausch mit dem Papsttum. Eine Fülle von Autoren strahlen über das gesamte Westeuropa aus und finden sich in großer Verbreitung auch in den Südtiroler Sammlungen: Isidor von Sevilla, Kard. Franciscus Ximenes, Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Thomas von Torquemada. Insbesondere sind es franziskanische und später jesuitische Autoren. Die bis in die tirolischen Pfarrbestände hineinreichen [L. de Granada, Alfonso de Castro, F. de Ribe[i]ra, A. Rodriguez, Esobar de Mendoza, F. Suárez, G. Vásquez, L. de Molina ...].
Begünstigt scheint diese spanische Werkflut in den tirolischen beständen durch die habsburgische dynastische Verwandtschaft der beiden Länder, durch eine besondere Blüte Spaniens im 16. und 17. Jh. und durch die entscheidende Rolle der Jesuiten im bayrisch-tirolischen Raum.
Autoren aus dem deutschsprachigen Raum in den Beständen von Trient und Rovereto
Anna Gonzo, Beatrice Niccolini, Wlter Manica u. a. haben im Auftrag der Autonomen Provinz Trient [Servizio beni culturali – Servizio beni librari e archivistici] wichtige historische Bibliotheken des Trentino nach ihren Inkunabeln und nach ihren Drucken des 16. Jh. [Cinquecentine] untersucht und in ausgezeichneter Bearbeitung der Öffentlichkeit vorgelegt. Darunter befinden sich zahlreiche Autoren aus dem deutschsprachigen Kulturraum und von deutschen Druckanstalten. Für die kulturelle Brücke der beiden Diözesen Brixen und Trient von unschätzbarem und in vieler Hinsicht von aussagkräftigem Wert. Im Vergleich lassen sich zahlreiche europ. politische und kulturellen Zusammenhänge erheben.
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Bestandslegate
Bibliothekslegate kirchlicher, bürgerlicher und adeliger Herkunft in den Kloster- und Pfarrbeständen
In Anbetracht der Anschaffungskosten war es Konventen und Pfarreien normalerweise nicht in dem Ausmaße möglich, Schrifttum zu erwerben, als es für die vielfältigen Fragen und Aufgaben vonnöten war. Begüterter Klerus, adelige und bürgerliche Wohltäter, Eintretende in Klostergemeinschaften u. a. überließen Seelsorgern, Pfarreien, Konventen auf dem Wege von Schenkung oder von Erbschaften Bestände. Anhand von Bucheinträgen, Aufzeichnungen, grafischen oder handschriftlichen Exlibris lassen sich viele Legate nachweisen und die Bestände der Erblasser in Sammelabsicht, nach Strömungen und Zugehörigkeiten etc. bestimmen.
Bestandslegat "Fendt" in der Bozner Propsteibibliothek
Der Fendt-Bestand in der Bozner Propsteibibliothek zählt zu den großen Raritäten des Landes. Noch ist dessen Geschichte nicht ganz geklärt. Das Legat ist ein Modellfall für zahlreiche andere Legate. Sonderfälle und Vergleichsfälle. Als Legate in größeren Bibliotheken haben sich Sammlungen leichter erhalten als über Verwandtenvererbungen, Aufteilungen, Veräußerungen. Bestandstransfer steht erst am Anfang der Bibliotheksforschungen des Landes. Bestandsüberlassungen gehören zu den bedeutsamsten kulturellen Hinterlassenschaften.
Der Freimaurernachlass im Franziskanerkloster Bozen
Dieser Bestand ist unter den vielen ein weiterer Fall einer Bestandsüberlassung. Aus dem besitz der Grafen Mamming ist ein kompakter Bestand von Freimaurerschrifttum in den Besitz des Bozner Franziskanerklosters gekommen. Auch dieser Bestand harrt noch der Aufarbeitung. Und der Inbezugsetzung mit der Freimaurerbewegung in Tirol. Die Mterialien bieten ein lohnendes überschaubares Untersuchungsprojekt für Forschung und Diplomarbeiten.
In Anbetracht der Anschaffungskosten war es Konventen und Pfarreien normalerweise nicht in dem Ausmaße möglich, Schrifttum zu erwerben, als es für die vielfältigen Fragen und Aufgaben vonnöten war. Begüterter Klerus, adelige und bürgerliche Wohltäter, Eintretende in Klostergemeinschaften u. a. überließen Seelsorgern, Pfarreien, Konventen auf dem Wege von Schenkung oder von Erbschaften Bestände. Anhand von Bucheinträgen, Aufzeichnungen, grafischen oder handschriftlichen Exlibris lassen sich viele Legate nachweisen und die Bestände der Erblasser in Sammelabsicht, nach Strömungen und Zugehörigkeiten etc. bestimmen.
Bestandslegat "Fendt" in der Bozner Propsteibibliothek
Der Fendt-Bestand in der Bozner Propsteibibliothek zählt zu den großen Raritäten des Landes. Noch ist dessen Geschichte nicht ganz geklärt. Das Legat ist ein Modellfall für zahlreiche andere Legate. Sonderfälle und Vergleichsfälle. Als Legate in größeren Bibliotheken haben sich Sammlungen leichter erhalten als über Verwandtenvererbungen, Aufteilungen, Veräußerungen. Bestandstransfer steht erst am Anfang der Bibliotheksforschungen des Landes. Bestandsüberlassungen gehören zu den bedeutsamsten kulturellen Hinterlassenschaften.
Der Freimaurernachlass im Franziskanerkloster Bozen
Dieser Bestand ist unter den vielen ein weiterer Fall einer Bestandsüberlassung. Aus dem besitz der Grafen Mamming ist ein kompakter Bestand von Freimaurerschrifttum in den Besitz des Bozner Franziskanerklosters gekommen. Auch dieser Bestand harrt noch der Aufarbeitung. Und der Inbezugsetzung mit der Freimaurerbewegung in Tirol. Die Mterialien bieten ein lohnendes überschaubares Untersuchungsprojekt für Forschung und Diplomarbeiten.
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Bibel
Die Bibelübersetzungen des 15. und 16. Jh. in sprachlicher und begrifflicher Hinsicht
In Literatur- und Sprachgeschichte ist vielfach die Sprachleistung Luthers erforscht. Nicht ausreichend erforscht sind die deutschsprachlichen Bibelübersetzungen im Inkunabelkatalog von EHB und im vortridentinischen 16. Jh. Dennoch bilden auch sie wichtige Vorstufen für die nachfolgenden Bibelübersetzungen des 16. und 17. Jh.
Von großem sprachhistorischen Wert ist die Begriffsübertagung aus der lateinischen Vorlage der Vulgata in ihre volkssprachlichen Äquivalente unter dem Stichwort „Bibeln“ sind die wichtigsten Werke im Internet abrufbar.
Der Wandel in der Schriftauslegung vom empirischen Wort bis zur sozialen und pastoralen Repräsentation biblischer Erzählgestalten
Ausgehend von der Verbalinspiration biblischer Texte stellt sich nach und nach die Nachfrage nach dem sozialen und historischen Hintergrund der Texte. Biblische Gestalten und Erzähler werden zu Trägern von Traditionserbe, von Zeitperspektiven und Einstellungen, von Einschlüssen, sittlichen, theologischen Entlehnungen u. v. a. In Predigt, Katechese, in der Vermittlung ethischer Prinzipien, in Beichtspiegeln werden unterschiedliche Sichtweisen in die bibelgeprägte Argumentation der Mentalitätsgeschichte eingeführt.
In Literatur- und Sprachgeschichte ist vielfach die Sprachleistung Luthers erforscht. Nicht ausreichend erforscht sind die deutschsprachlichen Bibelübersetzungen im Inkunabelkatalog von EHB und im vortridentinischen 16. Jh. Dennoch bilden auch sie wichtige Vorstufen für die nachfolgenden Bibelübersetzungen des 16. und 17. Jh.
Von großem sprachhistorischen Wert ist die Begriffsübertagung aus der lateinischen Vorlage der Vulgata in ihre volkssprachlichen Äquivalente unter dem Stichwort „Bibeln“ sind die wichtigsten Werke im Internet abrufbar.
Der Wandel in der Schriftauslegung vom empirischen Wort bis zur sozialen und pastoralen Repräsentation biblischer Erzählgestalten
Ausgehend von der Verbalinspiration biblischer Texte stellt sich nach und nach die Nachfrage nach dem sozialen und historischen Hintergrund der Texte. Biblische Gestalten und Erzähler werden zu Trägern von Traditionserbe, von Zeitperspektiven und Einstellungen, von Einschlüssen, sittlichen, theologischen Entlehnungen u. v. a. In Predigt, Katechese, in der Vermittlung ethischer Prinzipien, in Beichtspiegeln werden unterschiedliche Sichtweisen in die bibelgeprägte Argumentation der Mentalitätsgeschichte eingeführt.
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Bibliotheken
Die repräsentative und herrschaftliche Abteibibliothek der alten Orden und die Volksbibliothek der Armutsorden
Während zahlreiche Werke und Autoren gleichsam einen für alle Konvente, Orden, Pfarreien gemeinsamen Pflichtenbestand darstellen, haben Orden, Pfarrinhaber, Adelige, Sammler auch unterschiedliche Schwerpunkte für ihre Sammlungen im Auge.
Territorialorden mit ihren großen Grundbesitzungen bedürfen der Werke für Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, Werke der landeskundlichen, politischen juridischen Implikationen, der Geschichtswerke und der Reiseliteratur genauso, wie sie ordenseigenes Schrifttum und Werke der eigenen spirituellen Ausrichtung und Berufung besitzen müssen.
Abteien sitzen in der Regel außerhalb der Stadtagglomerationen und bilden handwerklich und erwerbsmäßig autonome Bereiche aus, treiben Handel und Haben ihre Produktpaletten. Die Armutsorden sind primär Stadt- und Marktorden. Sie sind eingebunden in die sozialen Schichten und Verhältnisse der Stadt. Ihr Aufgabenbereich ist primär auf pastorale Interessen ausgerichtet. Dies bestätigen ihre Sammelbestände und ihre normativen Erlässe. In Aufmachung und Aufstellung sind die Bestände im Allgemeinen weniger repräsentativ. Das Buch in ihrem Besitz ist für den täglichen und unmittelbaren Gebrauch gedacht.
Während zahlreiche Werke und Autoren gleichsam einen für alle Konvente, Orden, Pfarreien gemeinsamen Pflichtenbestand darstellen, haben Orden, Pfarrinhaber, Adelige, Sammler auch unterschiedliche Schwerpunkte für ihre Sammlungen im Auge.
Territorialorden mit ihren großen Grundbesitzungen bedürfen der Werke für Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, Werke der landeskundlichen, politischen juridischen Implikationen, der Geschichtswerke und der Reiseliteratur genauso, wie sie ordenseigenes Schrifttum und Werke der eigenen spirituellen Ausrichtung und Berufung besitzen müssen.
Abteien sitzen in der Regel außerhalb der Stadtagglomerationen und bilden handwerklich und erwerbsmäßig autonome Bereiche aus, treiben Handel und Haben ihre Produktpaletten. Die Armutsorden sind primär Stadt- und Marktorden. Sie sind eingebunden in die sozialen Schichten und Verhältnisse der Stadt. Ihr Aufgabenbereich ist primär auf pastorale Interessen ausgerichtet. Dies bestätigen ihre Sammelbestände und ihre normativen Erlässe. In Aufmachung und Aufstellung sind die Bestände im Allgemeinen weniger repräsentativ. Das Buch in ihrem Besitz ist für den täglichen und unmittelbaren Gebrauch gedacht.
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Bildung
Volksbildung, der Begriff der rustici [der Landbevölkerung, der Ungebildeten, der ungebildeten Masse, der sprachlichen Einfachheit ...] im pastoralen Schrifttum des Landes
Seit der lateinischen Antike spielt der Begriff der rustici eine wichtige Rolle in der Definition, Bildung und Darstellung der Landbevölkerung. Der Begriff wird in die pastorale und soziale Schichtung der Landbevölkerung und der einfachen Standesbevölkerung übernommen [Beichtspiegel, moralische Betrachtung, Katechese, Volksbrauchtum und Volkskulte, rechtliche Zuweisungen, Struktur und Ordnung der Ruraldekanate]. Eine entsprechende Untersuchung der rusticitas-Grenze und Geltung steht noch aus. Eine solche ist nur in wissenschaftlicher Aufarbeitung und mit gediegenen Sprachkenntnissen zu bewerkstelligen. Eine reizende Aufgabe für Linguisten, Aspekte des rustici-Kulturellen herauszuarbeiten.
Die letzten Ausläufer der rustici-Kultur sind in der Aufklärung Werke und Serien mit den Zusätzen: für das einfache Volk, für die Landbevölkerung, für Gebildete und Ungebildete, für jedermann von Nutzen... Ausgangshilfe dafür kann das Glossarium ad Scriptores Mediae et Infimae Latinitatis von Du Cange z. B. in der Ausgabe Basel 1762 bieten [II, Sp. 861-862, dazu weitere verwandte Begriffe]. Eine Synthese unterschiedlicher Kulturschichten versuchen Begriff wie: [der] homo vere christianus, vita christiana, homo religiosus, theologia universalis u. a, im lateinischen Schrifttum.
Seit der lateinischen Antike spielt der Begriff der rustici eine wichtige Rolle in der Definition, Bildung und Darstellung der Landbevölkerung. Der Begriff wird in die pastorale und soziale Schichtung der Landbevölkerung und der einfachen Standesbevölkerung übernommen [Beichtspiegel, moralische Betrachtung, Katechese, Volksbrauchtum und Volkskulte, rechtliche Zuweisungen, Struktur und Ordnung der Ruraldekanate]. Eine entsprechende Untersuchung der rusticitas-Grenze und Geltung steht noch aus. Eine solche ist nur in wissenschaftlicher Aufarbeitung und mit gediegenen Sprachkenntnissen zu bewerkstelligen. Eine reizende Aufgabe für Linguisten, Aspekte des rustici-Kulturellen herauszuarbeiten.
Die letzten Ausläufer der rustici-Kultur sind in der Aufklärung Werke und Serien mit den Zusätzen: für das einfache Volk, für die Landbevölkerung, für Gebildete und Ungebildete, für jedermann von Nutzen... Ausgangshilfe dafür kann das Glossarium ad Scriptores Mediae et Infimae Latinitatis von Du Cange z. B. in der Ausgabe Basel 1762 bieten [II, Sp. 861-862, dazu weitere verwandte Begriffe]. Eine Synthese unterschiedlicher Kulturschichten versuchen Begriff wie: [der] homo vere christianus, vita christiana, homo religiosus, theologia universalis u. a, im lateinischen Schrifttum.
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Buch
Bruderschaftswesen und Bruderschaftsbücher
Bruderschaftswerke begegnen als Manuskripte mehrfach in Pfarreien. In gedruckten Texten gibt es Bruderschaftswerke als Anleitungswerke für Frömmigkeit, als Statutenwerke für Seelsorger, als spezifische Predigtwerke ... Bruderschaftsstiftungen, Bruderschaftsaltäre, Bruderschaftsfeste, Bruderschaftsprozessionen, Bruderschaftsrechte und Pflichten prägen zeitweise das Bild der Pfarreien ähnlich wie die Standespastoral der Pfarreien. Bruderschaften manchmal auch in geschlechtsspezifischer Aufstellung prägen das Antlitz der Pfarrsprengel mit. Standesunterweisungen, Standeskatechese, Bruderschaftskatechese vermitteln standesspezifische Begriffe, Pflichten und Vorstellungen.
Buchaufmachung - Der Wandel in der Buchaufmachung vom Kodex bis zu den Druckwerken vor dem Zweiten Weltkrieg
Das Buch hat nicht nur seine inhaltliche Geschichte. Es hat auch seine Formalgeschichte. Vom Rotulus über den Codex bis hin zum gedruckten Buch. Das gedruckte Buch selbst wandelt fortwährend seine formalen Aspekte je nach Epoche, je nach Würde und Wert des Gegenstandes, je nach den Erwerbsschichten, nach Funktionen u. a. Aspekten. Die EHB-Bestände bieten dafür ausgezeichnete Untersuchungsmaterialien. Eine diesbezügliche Untersuchung kann in eine Reihe von Fachbereichen fallen. Anschlüsse, Vorbilder, Eigenständiges voneinander abheben und nach dessen Bedeutungen fragen.
Buchflüsse und Bestandsflüsse in einzelnen Sammlungen
Buchflüsse lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise feststellen: z.B. über Bucheinträge, Besitzstempel, Exlibris, über dokumentierte Legate, Erwerbsbelege, aber auch über Drucker, Druckorte u. Ä. Jeder Band in einer Bibliothek hat seine Buchwege hinter sich. Und hinter diesen Wegen stecken Strömungen, das unterschiedliche Interesse der Bestandsträgerschaften, z.B. von Orden, Pfarreien, Sammlern, weiters Verkaufs- und Verbreitungswege, Auswahlkriterien. Die Herausarbeitung von Netzwerken ist ein bedeutender Beitrag zu den europäischen Mentalitätsbewegungen.
Die Buchlandschaft Südtirol nach ihren Druckorten
Was zunächst nach einer statistischen Auflistung aussieht, hat Schwerpunkte und Zentren unterschiedlicher Art hinter sich: Studienzentren, Zentren von Ordensgemeinschaften, Drucker- und Einflusszentren, Verlage und Verleger spezifischer Ausrichtung. Darüber hinaus gibt es auch lokalbestimmte Schwerpunkte für Werkanschaffungen. Im Kleinen ist Südtirol ein Abbild der gesamteuropäischen Druckerwelt und ein besonderer Ausschnitt aus ihr. Druckorte wie Köln, Dillingen, Ingolstadt, Augsburg, Basel, Venedig ... bedeuten an sich schon Bevorzugungen von Kulturstätten nach deren kulturellen Hintergründen. Deshalb ist die Verlagerung in der Auswahl von Druckorte eine Spur, der nachgegangen werden muss.
Buchmärkte und Netzwerke der Buchvermarktung
Bücher haben ihren größeren oder kleineren Verbreitungsmarkt. Haben Autorennetze, Werbenetze und Abnehmernetze hinter sich. Vor allem Nachdrucke verweisen auf eine größere Nachfrage. Dabei spielen aber auch Formate, Preisbildung, Aufmachung, Aktualität der Themen, Förderung durch Ordensnetze, Herrscher, universitäre Propagandisten etc. eine wichtige Rolle Bereits im Spätmittelalter haben wir auch auf Landesebene bischöfliche Aufträge zum Vervielfältigen von Werken an die Skriptorien von Neustift oder Innichen. Es gibt Synodal- und Konzilsempfehlungen für Werke. Pfarrnetze, Ordensnetze etc. wollen und sollen mit „einschlägigem“ Buchgut versorgt werden. Buchprodukte waren immer schon leser- und verkaufsorientiert. Von Sueton wissen wir, dass er unter Kaiser Hadrian das kaiserliche Staatssekretariat ab epistolis latinis inne hatte. Daneben existierte ein Sekretariat ab epistolis graecis und ein solches a studiis. Aus den Quellenstudien zur Histoire de Lyon [Hrsg. A. Pelletier / J. Rossiaud / Le Coteau] wissen wir anhand der Namensgebungen, dass sich unter der Bevölkerung 19% Griechischnamige befanden und unter diesen waren wiederum 40% Freigelassene und Sklaven. Viele dieser Freigelassenen und Sklaven waren im römischen Reich gekonnte und gebildete Buchschreiber. Jahrhunderte später wurden diese von den Mönchen abgelöst und die weitverzweigten Buch-, Leih- und Verkaufsnetze der Mönche entstanden. Der Buchvertrieb verlief vor allem von Konvent zu Konvent. Neue Buchmärkte erschlossen dann mit Aufkommen der Druckwerke die neuen Netzwerke der Drucker und der Verleger.
Buchnetze / Sondernetze - Tirolische, bayerische, süddeutsche, österreichische Buchnetze
Die Südtiroler Buchbestände stehen nach dem Süden hin im Zusammenhang mit italienischen „Buchorten“, wie Venedig, Trient, Rom. Nach Norden hin stehen sie im Kontext Gesamttirols, mit bayrischen Druckorten, Buchträgerschaften jenseits der Alpen, mit Zuliefersträngen von Paris und Lyon über Strassburg, Basel und mit der Buchachse rheinaufwärts bis in die Niederlande [Löwen, Amsterdam...]. In diesem Zusammenhang geht es nicht primär um Tridentina, Tirolensien, Bavarica, sondern weit mehr um die kulturgeschichtlichen Prägewerke und Strömungen, die das Land in den europäischen Buchkontinent einreihen.
Als Betrachtungsperspektiven stoßen dazu sprachliche Gemeinsamkeiten, ein reger religiöser und politischer Austausch, Bewusstseinszusammenhänge, gemeinsame Muster in den Bildungsprogrammen und in den Unterrichtscurricula.
Mit der Thematik verbinden sich andere mentalitätsgeschichtliche Aspekte [Brauchtum, Volksgeschichtliches, Landeskundliches, typische Darstellungsformen von Inhalten u. dgl.]. Die Vermittlung über Ordensträgerschaften und kirchliche Netzwerke bildet einen eigenen gewichtigen Ausschnitt im Rahmen der Themen.
Buchsammlungen in weiblichen Ordensgemeinschaften: Die Frauenbibliothek
Bisher überhaupt nicht wahrgenommen worden sind die Bibliotheksbestände der Frauenklöster. Sie bieten Einblicke in das, was in Müstair, in Säben, bei den Englischen Fräulein, in Maria Steinach, bei den Barmherzigen Schwestern, bei den Ursulinen, in den zwei Klarissenkonventen Brixen und Meran [aufgehoben] u. in anderen Schwestergemeinschaften gelebt und gelesen worden ist. Die meisten Frauengemeinschaften haben Ansehnliches in in Erziehung und Unterricht geleistet und hatten daher Gruppen von gebildeten Schwestern bzw. Frauen. Sie waren eingesetzt in Krankenpflege, Haushaltlehre, Schulunterricht oder in anderen Lebens- und Dienstleistungsbereichen.
In den Büchersammlungen findet sich, wovon die Gemeinschaft sich selbst geistig und geistlich sich genährt hat und womit sie ihre Hintergrundmotivik aufgebaut haben (Regelausrichtungen). Eine Erschließung dieser Frauenthematik anhand ihrer Bestände ist ein unbedingtes Desiderat der Forschung. Hinter den Netzwerken der männlichen Orden hinkt die Erforschung der historischen Frauennetzwerke fast durchwegs nach.
Belletristik in den Beständen kirchlicher Trägerschaften
Nicht nur einzelne Mitglieder, dies gesamte Trägerschaft der Bestände gehört im Regelfall zur Bildungselite. Diese kommt mit Profanem wie mit Religiös-Kirchlichem gleicherweise in Berührung. Trägerschaftsmitglieder beschaffen sich und studieren Werke jeglicher Ausrichtung und schreiben auch solche. Sie verwenden belletristische Werke und profanwissenschaftliche Literatur für Predigt, Hauslektüre, für Erziehung und Unterricht, setzen sich gemeinschaftlich damit auseinander. Geographie, Astronomie, Medizin, Physikalisches und Naturkundliches, Zivilrechtliches, Ökonomisches und davon abgehoben Belletristik als eigener Signaturbereich wachsen erst allmählich auseinander.
Lange Zeit liegt der Befassungsschwerpunkt bei den literarischen Werken der Antike. Auf diese Erbliteratur folgt die Verfassung eigener Werke nach rhetorischen und poetischen Gesichtspunkten. Die Aufnahme und das Studium der belletristischen eigensprachlichen Literaturwerke geht wesentlich mit einher mit der Erhebung des Volkssprachlichen zu einer neuen Kultursprache.
Bruderschaftswerke begegnen als Manuskripte mehrfach in Pfarreien. In gedruckten Texten gibt es Bruderschaftswerke als Anleitungswerke für Frömmigkeit, als Statutenwerke für Seelsorger, als spezifische Predigtwerke ... Bruderschaftsstiftungen, Bruderschaftsaltäre, Bruderschaftsfeste, Bruderschaftsprozessionen, Bruderschaftsrechte und Pflichten prägen zeitweise das Bild der Pfarreien ähnlich wie die Standespastoral der Pfarreien. Bruderschaften manchmal auch in geschlechtsspezifischer Aufstellung prägen das Antlitz der Pfarrsprengel mit. Standesunterweisungen, Standeskatechese, Bruderschaftskatechese vermitteln standesspezifische Begriffe, Pflichten und Vorstellungen.
Buchaufmachung - Der Wandel in der Buchaufmachung vom Kodex bis zu den Druckwerken vor dem Zweiten Weltkrieg
Das Buch hat nicht nur seine inhaltliche Geschichte. Es hat auch seine Formalgeschichte. Vom Rotulus über den Codex bis hin zum gedruckten Buch. Das gedruckte Buch selbst wandelt fortwährend seine formalen Aspekte je nach Epoche, je nach Würde und Wert des Gegenstandes, je nach den Erwerbsschichten, nach Funktionen u. a. Aspekten. Die EHB-Bestände bieten dafür ausgezeichnete Untersuchungsmaterialien. Eine diesbezügliche Untersuchung kann in eine Reihe von Fachbereichen fallen. Anschlüsse, Vorbilder, Eigenständiges voneinander abheben und nach dessen Bedeutungen fragen.
Buchflüsse und Bestandsflüsse in einzelnen Sammlungen
Buchflüsse lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise feststellen: z.B. über Bucheinträge, Besitzstempel, Exlibris, über dokumentierte Legate, Erwerbsbelege, aber auch über Drucker, Druckorte u. Ä. Jeder Band in einer Bibliothek hat seine Buchwege hinter sich. Und hinter diesen Wegen stecken Strömungen, das unterschiedliche Interesse der Bestandsträgerschaften, z.B. von Orden, Pfarreien, Sammlern, weiters Verkaufs- und Verbreitungswege, Auswahlkriterien. Die Herausarbeitung von Netzwerken ist ein bedeutender Beitrag zu den europäischen Mentalitätsbewegungen.
Die Buchlandschaft Südtirol nach ihren Druckorten
Was zunächst nach einer statistischen Auflistung aussieht, hat Schwerpunkte und Zentren unterschiedlicher Art hinter sich: Studienzentren, Zentren von Ordensgemeinschaften, Drucker- und Einflusszentren, Verlage und Verleger spezifischer Ausrichtung. Darüber hinaus gibt es auch lokalbestimmte Schwerpunkte für Werkanschaffungen. Im Kleinen ist Südtirol ein Abbild der gesamteuropäischen Druckerwelt und ein besonderer Ausschnitt aus ihr. Druckorte wie Köln, Dillingen, Ingolstadt, Augsburg, Basel, Venedig ... bedeuten an sich schon Bevorzugungen von Kulturstätten nach deren kulturellen Hintergründen. Deshalb ist die Verlagerung in der Auswahl von Druckorte eine Spur, der nachgegangen werden muss.
Buchmärkte und Netzwerke der Buchvermarktung
Bücher haben ihren größeren oder kleineren Verbreitungsmarkt. Haben Autorennetze, Werbenetze und Abnehmernetze hinter sich. Vor allem Nachdrucke verweisen auf eine größere Nachfrage. Dabei spielen aber auch Formate, Preisbildung, Aufmachung, Aktualität der Themen, Förderung durch Ordensnetze, Herrscher, universitäre Propagandisten etc. eine wichtige Rolle Bereits im Spätmittelalter haben wir auch auf Landesebene bischöfliche Aufträge zum Vervielfältigen von Werken an die Skriptorien von Neustift oder Innichen. Es gibt Synodal- und Konzilsempfehlungen für Werke. Pfarrnetze, Ordensnetze etc. wollen und sollen mit „einschlägigem“ Buchgut versorgt werden. Buchprodukte waren immer schon leser- und verkaufsorientiert. Von Sueton wissen wir, dass er unter Kaiser Hadrian das kaiserliche Staatssekretariat ab epistolis latinis inne hatte. Daneben existierte ein Sekretariat ab epistolis graecis und ein solches a studiis. Aus den Quellenstudien zur Histoire de Lyon [Hrsg. A. Pelletier / J. Rossiaud / Le Coteau] wissen wir anhand der Namensgebungen, dass sich unter der Bevölkerung 19% Griechischnamige befanden und unter diesen waren wiederum 40% Freigelassene und Sklaven. Viele dieser Freigelassenen und Sklaven waren im römischen Reich gekonnte und gebildete Buchschreiber. Jahrhunderte später wurden diese von den Mönchen abgelöst und die weitverzweigten Buch-, Leih- und Verkaufsnetze der Mönche entstanden. Der Buchvertrieb verlief vor allem von Konvent zu Konvent. Neue Buchmärkte erschlossen dann mit Aufkommen der Druckwerke die neuen Netzwerke der Drucker und der Verleger.
Buchnetze / Sondernetze - Tirolische, bayerische, süddeutsche, österreichische Buchnetze
Die Südtiroler Buchbestände stehen nach dem Süden hin im Zusammenhang mit italienischen „Buchorten“, wie Venedig, Trient, Rom. Nach Norden hin stehen sie im Kontext Gesamttirols, mit bayrischen Druckorten, Buchträgerschaften jenseits der Alpen, mit Zuliefersträngen von Paris und Lyon über Strassburg, Basel und mit der Buchachse rheinaufwärts bis in die Niederlande [Löwen, Amsterdam...]. In diesem Zusammenhang geht es nicht primär um Tridentina, Tirolensien, Bavarica, sondern weit mehr um die kulturgeschichtlichen Prägewerke und Strömungen, die das Land in den europäischen Buchkontinent einreihen.
Als Betrachtungsperspektiven stoßen dazu sprachliche Gemeinsamkeiten, ein reger religiöser und politischer Austausch, Bewusstseinszusammenhänge, gemeinsame Muster in den Bildungsprogrammen und in den Unterrichtscurricula.
Mit der Thematik verbinden sich andere mentalitätsgeschichtliche Aspekte [Brauchtum, Volksgeschichtliches, Landeskundliches, typische Darstellungsformen von Inhalten u. dgl.]. Die Vermittlung über Ordensträgerschaften und kirchliche Netzwerke bildet einen eigenen gewichtigen Ausschnitt im Rahmen der Themen.
Buchsammlungen in weiblichen Ordensgemeinschaften: Die Frauenbibliothek
Bisher überhaupt nicht wahrgenommen worden sind die Bibliotheksbestände der Frauenklöster. Sie bieten Einblicke in das, was in Müstair, in Säben, bei den Englischen Fräulein, in Maria Steinach, bei den Barmherzigen Schwestern, bei den Ursulinen, in den zwei Klarissenkonventen Brixen und Meran [aufgehoben] u. in anderen Schwestergemeinschaften gelebt und gelesen worden ist. Die meisten Frauengemeinschaften haben Ansehnliches in in Erziehung und Unterricht geleistet und hatten daher Gruppen von gebildeten Schwestern bzw. Frauen. Sie waren eingesetzt in Krankenpflege, Haushaltlehre, Schulunterricht oder in anderen Lebens- und Dienstleistungsbereichen.
In den Büchersammlungen findet sich, wovon die Gemeinschaft sich selbst geistig und geistlich sich genährt hat und womit sie ihre Hintergrundmotivik aufgebaut haben (Regelausrichtungen). Eine Erschließung dieser Frauenthematik anhand ihrer Bestände ist ein unbedingtes Desiderat der Forschung. Hinter den Netzwerken der männlichen Orden hinkt die Erforschung der historischen Frauennetzwerke fast durchwegs nach.
Belletristik in den Beständen kirchlicher Trägerschaften
Nicht nur einzelne Mitglieder, dies gesamte Trägerschaft der Bestände gehört im Regelfall zur Bildungselite. Diese kommt mit Profanem wie mit Religiös-Kirchlichem gleicherweise in Berührung. Trägerschaftsmitglieder beschaffen sich und studieren Werke jeglicher Ausrichtung und schreiben auch solche. Sie verwenden belletristische Werke und profanwissenschaftliche Literatur für Predigt, Hauslektüre, für Erziehung und Unterricht, setzen sich gemeinschaftlich damit auseinander. Geographie, Astronomie, Medizin, Physikalisches und Naturkundliches, Zivilrechtliches, Ökonomisches und davon abgehoben Belletristik als eigener Signaturbereich wachsen erst allmählich auseinander.
Lange Zeit liegt der Befassungsschwerpunkt bei den literarischen Werken der Antike. Auf diese Erbliteratur folgt die Verfassung eigener Werke nach rhetorischen und poetischen Gesichtspunkten. Die Aufnahme und das Studium der belletristischen eigensprachlichen Literaturwerke geht wesentlich mit einher mit der Erhebung des Volkssprachlichen zu einer neuen Kultursprache.





